Anna Enquist - Das Meisterstück

Originaltitel: Het meesteratuk
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1994
316 Seiten, ISBN: 3423124237

Erzählt wird im Wesentlichen die Geschichte einer (zerbrochenen) Familie: Johan, ein Künstler, steht kurz vor seiner entscheidenden Ausstellung, und zum Essen nach der Vernisage soll die ganze Familie bzw. was für ihn dazugehört, kommen:
seine Exfrau Ellen, die beiden Söhne Peter & Paul, natürlich die dominante Mutter, Alma, Ellens beste Freundin Lisa, und Johans neue Geliebte…
auch Johans Bruder Oscar, ein Kunstkritiker, ist eingeladen, doch wird mit seinem Erscheinen gar nicht erst gerechnet.

Der erste Teil ist der Vorbereitung auf dieses Ereignis gewidmet, der Einführung der Personen; erst erhält man den Eindruck, dass Lisa eigentlich eine führende Rolle einnehmen wird, doch sie ist nur Nebenfigur.
Johan und Oscar wurden nach dem Verschwinden ihres Vaters von ihrer Mutter alleine großgezogen; immer rivalisierend um die Gunst der Mutter, auch heute noch. Vom Vater haben beide nie mehr gehört. Erst jetzt, zu dieser Ausstellung, hat Johan versucht, ihn über eine Agentur ausfindig zu machen und ihm eine Einladung zukommen lassen.

Die Erwähnung dieser Tatsache führt dann im dritten Teil zu massiver Aufregung bei Alma, die sich plötzlich wieder als Frau fühlt, die den Geliebten zurückerobern will.

Aber im zweiten Teil wird erstmal geschildert, woran die Ehe zwischen Ellen und Johan zerbrach; an der Untreue des Letzteren, sicher, das war schon vorher nicht in Ordnung. Doch gibt es dann ein wirklich großes Drama in der Familie, das auch so eindringlich geschildert ist, das ich Tränen in den Augen hatte...

im dritten Teil steuert dann alles auf ein furioses Finale zu, auf eine Auseinandersetzung der Brüder, um die endgültige Flucht auf den Schoß des Vaters...

... und da war ich dann doch eher enttäuscht.

Schon die Romankonstruktion an sich hat mich nicht durchgängig überzeugen können; der Ausflug in die Familiengeschichte, so dramatisch und bewegend sie auch war, war vom Handlungsverlauf für mich unmotiviert, nicht so eingebunden, wie es wünschenswert gewesen wäre. Und der Schluss - nun, über den würde ich mich eigentlich gerne mal mit jemandem unterhalten, der das Buch gelesen hat, den mich hat er etwas ratlos zurückgelassen.

Anna Enquist

1945 geboren, ist klinische Psychologin und ausgebildete Pianistin. Sie arbeitet als Psychoanalytikerin in Amsterdam.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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