Joey Goebel - Vincent

Originaltitel: Torture the Artist
Roman. Diogenes 2005
448 Seiten, ISBN: 3257064853

Egal, ob Film, Fernsehen oder Musik: produziert und gekauft wird immer mehr Schrott. Gleichklang ist angesagt, künstlerische Innovation, Anspruch haben keine Chance, sich auf dem Markt durchzusetzen, auf dem nur noch Geld zählt. Mit verantwortlich dafür ist auch der Vorstandsvorsitzende des größten Medienkonzerns, dem, als ihm durch seine Krebserkrankung bewusst wird, was er zu verantworten hat, die anscheinend rettende Idee kommt: er wird, mit seinem Geld, seinem Einfluss, eine Künstlerschule eröffnen, und dabei nach der psychologischen Erkenntnis vorgehen, dass wahre Kunst nur aus Leiden entstehen kann.

Die Kinder, die für dieses Programm ausgewählt werden, wissen davon natürlich nichts - so auch Vincent nicht, der als das größte Talent an seiner Schule gilt. Sein Betreuer ist Haran, den er bald auch als besten Freund betrachtet, ist er doch immer für ihn da und ansprechbar, sei es, als sein Hund stirbt, die Mutter ihn und die Geschwister verlässt, seine erste Freundin ihn einfach fallen lässt, eine spätere mit seinem einzigen Freund ein Verhältnis beginnt und was der unglücklichen Geschehnisse mehr sind.

Dass es Haran war, der den Hund getötet hatte, und auch er, der seine Freunde bestochen oder manipuliert hatte, weiß er nicht... Doch bei allen Gemeinheiten, die er ihm zuzufügen hat, wächst Vincent Haran doch sehr ans Herz, und so weit es unter diesen Voraussetzungen möglich ist, werden sie Freunde.

Als Haran sich dann auch noch verliebt ist es ihm noch weniger möglich, mit seinen Quälereien fortzufahren - doch er hat einen Vertrag unterzeichnet, und Vincents Produktivität lässt nun, da sein Leben sich zu stabilisieren scheint, merklich nach...

Ich habe mich wirklich nett unterhalten, aber das Buch auch als leichte Kost empfunden. Der Gedankenansatz ist gut, was daraus gemacht wurde, Durchschnitt.

Aber schon alleine die vielen Kommentare zur aktuellen Film- und Fernsehwelt bzw. zur Popmusik sind großteils - trotz der fortwährenden Verunglimpfungen- spritzig und boshaft, wie ich es mag.

Man hat sicher nichts weltbewegendes verpasst, wenn man dieses Buch nicht gelesen hat. Aber als Urlaubs- oder Bettlektüre durchaus akzeptabel.

Joey Goebel

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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