Christoph Peters - Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung

Originaltitel: Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
Erzählung(en). Luchterhand Literaturverlag 2010
224 Seiten, ISBN: 3630873375

Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung - ein toller Titel, dazu eine dieser chinesischen Glückskatzen auf dem Cover, und schon war meine an sich vorsichtige Haltung gegenüber Erzählungen kein Hindernis mehr, ich wollte das Buch unbedingt lesen. Tja - aber es sind eben trotzdem Erzählungen. Und ich bin mir immer ein wenig unschlüssig, ob meine Nicht-Begeisterung darauf beruht, dass mir die Form einfach zu kurz ist, oder ob die Erzählungen tatsächlich nicht als so gelungen zu betrachten sind.

Kurzum: ich habe sie gelesen, sie ließen sich durch die Bank gut lesen, waren oft schön formuliert, aber mich hat keine Geschichte angerührt, etwas in mir zum Klingen gebracht.

Sven Hofestedt, der Antiheld der Titelgeschichte, ist einer, der schon immer so aussah, als wäre er Sohn und bräuchte nicht mehr zu tun. Ein Macher, einer, der andere überzeugen kann - aber nicht bis zum letzten Punkt. Er will ursprünglich eigentlich nur so viel Geld verdienen, dass er sich die Reise nach Japan leisten kann, um sich dem Zen zu widmen, aber dann verdient er weit mehr als das - und verliert auch alles wieder. Was ihn wenig zu bekümmern scheint, denn am Ende unternimmt er nichts, um den Ruin abzuwenden, sondern verliert sich in immer längeren Spaziergängen, wird dünner und dünner - bis er verschwindet…

Oder Vincent, der Photographie studieren will, und plötzlich bei einer Fotosafari das Gefühl hat, blind zu werden. Die guten Freunde, mit denen er unterwegs ist, laden ihn einfach in der Klinik ab, kommen nicht mit hinein - eine Zufallsbekanntschaft ist es dann, mit der er diesen Abend voller Angst durchstehen kann.

Für mich war es auch derselbe Vincent, der dann später Feuer und Flamme dafür ist, eine Karawane teurer Autos in den Iran zu überführen und dafür gut bezahlt zu werden. Bei der Freundin seines Mitbewohners schrillen daraufhin die Alarmglocken: das kann doch nur Betrug sein! Und auch wenn am Ende nichts passiert ist, keiner zu Schaden kam, sind Freundschaften doch dauerhaft beendet.

Tja, und dann gibt es noch die eine Geschichte, die mich das Buch eigentlich abbrechen lassen wollte. Darin hat ein Mann bei Ebay einen Teekessel erworben - ein zerbeultes, schwarzes Ding, das eigentlich auf einem modernen Herd gar nicht stehen dürfte. Aber durch die vielen Ablagerungen, so bildete er sich zumindest zu Beginn ein, schmeckte der mit darin gekochtem Wasser zubereitete Tee plötzlich viel besser. Aber dann kehrte sich die Wirkung um - und der Kessel begann seine eigentliche Wirkung zu entfalten. In Traumgesichten erfährt der neue Inhaber dann auch, dass die ursprüngliche Besitzerin bei ihrer Reise mit einem Mann geschlafen und daraufhin von dessen Frau mit einem Fluch belegt worden war - einem Dschinn in diesem Teekessel, der nun ihn quälte…

Man merkt es vielleicht: ich bin nicht ganz glücklich geworden mit diesen Geschichten. Der Autor kann sehr gut erzählen, seine Sprache gefällt mir, aber ich bräuchte weniger unerhörte Begebenheiten (Peters hat eigens den Untertitel "Geschichten" statt Erzählung verwendet, weil sein Werk eher in der Nähe der Novelle ansiedelt).

Christoph Peters

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren. Er besuchte das Bischöfliche Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck. Danach studierte er Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe; 1993 Meisterschüler. Seit 1995 ist er am Flughafen Frankfurt/Main als Fluggastkontrolleur beschäftigt. Seit seinem Durchbruch als Schriftsteller lebt er in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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