Richard Yates - Ruhestörung

Originaltitel: Disturbing the Peace
Roman. DVA 2010
320 Seiten, ISBN: 3421043930

John Wilder hat eigentlich alles. Familie, guten Job, Freunde - und es lähmt ihn so sehr, dass er sich immer häufiger mit Alkohol betäuben muss, bis er deswegen in der Psychatrie landet. Eigentlich wollte er sich nur ausruhen. Aber bald merkt er, dass man dort nicht so schnell wieder rauskommt, und dass, wer noch nicht verrückt ist, es schnell werden kann.

Wieder zu Hause verspricht er erst, zur Therapie zu gehen, lässt sich Pillen verschreiben, geht zu den anonymen Alkoholikern. Allerdings nicht lange. Bald nutzt er die Gelegenheit, diese Abende von zu Hause flüchten zu können, von seiner Frau, die so hündisch daran glaubt, er wäre jetzt wieder auf dem richtigen Weg, und sie könnten ihr durch und durch durchschnittliches Leben auf ewig so weiterleben.

Doch John Wilder leidet gerade an dieser Mittelmäßigkeit. Erst das Verhältnis mit Pamela, einer jungen bildhübschen Millionärstochter, belebt ihn wieder. Mit ihr, die an ihn glaubt, die ihm zutraut, ein Drehbuch für einen Film zu schreiben, die alles für ihn tut, mit ihr also will er ein anderer sein.

Und er verlässt seine Frau, verlässt seinen Sohn, um mit Pamela neu anzufangen. Doch die anfängliche Begeisterung für seinen Stoff (er hatte die Erfahrungen in der geschlossenen Psychiatrie verarbeitet, "Einer flog über das Kuckucksnest" lässt grüßen) versandet bald, das Projekt verschiebt sich immer weiter, das neue Leben in LA ähnelt immer mehr seinem alten…

Der Beginn des Romans, der Absturz Wilders, seine Weigerung, zu seiner Familie nach Hause zu kommen, sondern weiterzusaufen, bis sein Freund ihn kurzerhand in die Nervenheilanstalt einliefert, wo er dann fünf lange Tage bleiben muss - dieser Beginn also war wieder einmal das, was ich an Richard Yates so mag, so gerne lese. Es wirkt sehr genau beobachtet, sehr intensiv.

Später verliert sich für mich diese Intensität. Und spätestens in LA war ich nicht mehr ganz bei Herrn Wilder, es hat mich eigentlich nicht mehr so recht interessiert, wie sein Schicksal sich weiter entwickeln wird. Wenn zu viel Alkohol im Spiel ist, klinke ich mich gerne aus - sich um den Verstand zu saufen, das hat mich bislang eigentlich nur bei A.L. Kennedy wirklich überzeugt.

Richard Yates

Richard Yates (* 3. Februar 1926 in Yonkers, New York; † 7. November 1992 in Birmingham, Alabama) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Essayist. Als Chronist der amerikanischen Vorstädte der fünfziger und sechziger Jahre machte er sich einen Namen. Seine Werke werden mit denen von J. D. Salinger, John Updike und John Cheever verglichen. In Deutschland wurde sein Werk Anfang des Jahrtausends vor allem durch Jonathan Franzen wieder bekannt, der sich wiederholt auf ihn bezog.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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