Martin Walker - Grand Cru. Der zweite Fall für Bruno, Chef de police

Originaltitel: The Dark Vineyard
Roman. Diogenes 2010
380 Seiten, ISBN: 325706750X

Bruno ist im Städtchen Saint-Denis im schönen Perigord für Recht und Ordnung zuständig. Viel hat er normalerweise nicht zu tun, an Markttagen dafür zu sorgen, dass sich die EU-Kontrolleure und die Verkäufer von nicht ordnungsgemäß gestempelten Eiern nicht in die Quere kommen, ist eine seiner vielen geliebten Tätigkeiten.

Das Perigord ist vor allem ein kulinarisches Paradies. Und zu einem guten Essen gehört natürlich auch ein guter Wein. Saint-Denis ist aufgrund klimatischer Bedingungen ganz hervorragend geeignet für den Weinanbau, und wenn es nach Bruno ginge, dann könnte es mit den vielen kleinen Winzern und ihren Hausweinen ruhig so weitergehen.

Doch auch hier hält die Moderne Einzug. In diesem Fall ist es ein amerikanischer Investor, der der Stadt ein sehr großzügiges Angebot macht: er will in großem Umfang investieren, wieder einen Wein produzieren, der es mit den ganz großen Namen aufnehmen kann. Und ihn natürlich entsprechend vermarkten. Es würde viele Arbeitsplätze in einer ansonsten eher strukturschwachen Region bedeuten - eigentlich ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Meint zumindest der Bürgermeister. Und bringt damit Bruno in einen nachhaltigen Gewissenskonflikt, denn er kann diesen Plänen einfach nicht zuarbeiten, er sieht - als einer von wenigen - in der Übernahme durch einen Großen vor allem auch die Nachteile.

Und dann gibt es plötzlich einen Toten. Ein junger Mann von hier, ein Grüner, einer, der Ideen hatte für eine Eigenvermarktung wird ausgerechnet in einem Weinfass tot aufgefunden. Am selben Abend hatte man den Investor außerdem dabei erlebt, wie er mit der Freundin des Jungen anbändelte - ein klarer Fall?

Mitnichten.

Allerdings sollte man sich als Leser von vornherein darüber im Klaren sein, dass man hier mit Sicherheit keine dramatischen Verfolgungsjagden, keine rasende Spannung erleben wird. Aber auch vom betont gemütlichen Ambiente sollte man sich meiner Meinung nach nicht einlullen lassen. Klar, erstmal erscheint es so, als wäre hier die Welt noch in Ordnung, alle Nachbarn lieben sich und die Polizei hat nicht mehr zu tun als kleine Ordnungswidrigkeiten zu ahnden.

Aber schon die Entdeckung eines illegalen Felds für genmanipulierten Weizen ist ein Hinweis darauf, dass Martin Walker mehr will als dem Leser nur ein bisschen heile Welt mit kurzzeitigem Einbruch des Bösen und dessen Beseitigung zu zeigen. Die Welt verändert sich, und die Anforderungen, die an Menschen und Umwelt gestellt werden, ebenso. Walker schaut - im Rahmen des Unterhaltsamen - durchaus genauer hin, wenn es um die Machenschaften der Politik und den Einfluss der Globalisierung geht. Das macht diesen Krimi auch auf eine sehr intelligente Weise unterhaltsam.

Gerade für Leser, die von einem Krimi mehr erwarten als möglichst spektakuläre Morde, die Interesse haben an der Weiterentwicklung der persönlichen Geschichten, die ihren Ermittler umgeben, und die außerdem gerne mal ganz nebenbei ein bisschen mehr über Geschichte oder, in diesem Fall, Weinbau, erfahren wollen, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Martin Walker

Martin Walker, geboren 1947, gebürtiger Schotte, hat in Oxford und Harvard Geschichte, Wirtschaft und Internationale Beziehungen studiert. Er hat 25 Jahre als politischer Journalist bei der Londoner Tageszeitung ›The Guardian‹ gearbeitet, deren Büroleiter er in Moskau und Washington war. 1978 wurde er mit dem britischen Reporter-des-Jahres-Preis ausgezeichnet. Er schrieb und schreibt für die ›New York Times‹, die ›Washington Post‹, den ›New Yorker‹, ›Die Zeit‹, ›El Mundo‹, die ›Moscow Times‹ und ›Moskowskij Novosti‹. Martin Walker lebt in Washington DC und im Périgord.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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