Manuel Puig - Der Kuß der Spinnenfrau

Originaltitel: El beso de la mujer araña
Roman. Suhrkamp Verlag 1976
299 Seiten, ISBN: 3518373692

Es ist auf den ersten Blick eine seltsame Paarung: der homosexuelle Molina und der marxistische Revolutionär Valentin sitzen gemeinsam in einer Zelle eines Gefängnisses in Argentinien. Molina steht schon aufgrund seiner sexuellen Orientierung auf der sozialen Hackordnung ganz unten; er hat die Chance, freizukommen, wenn er es schafft, das Vertrauen Valentins zu gewinnen und durch diesen die noch freien Revolutionäre verraten zu können.

Doch das erfährt man als Leser erst später. Zu Beginn lauscht man den Beschreibungen der Lieblingsfilme, mit denen die Beiden sich gegenseitig helfen, die Folgen der Folterungen zu überstehen. Gegen jede Wahrscheinlichkeit entsteht echte Freundschaft zwischen den ungleichen Männern; Molina verliebt sich, und in gewisser Weise lässt Valentin eine Nähe zu, die zwischen Männern sonst in dieser Gesellschaft nicht toleriert würde.

Molina wird schließlich entlassen. Er führt für Valentin einen Auftrag aus, auch wenn er insgeheim weiß, dass es ihn das Leben kosten kann. Und Valentin, soviel ahnt man, wird seinen Verletzungen erliegen…

Mich hat dieser Roman sehr beeindruckt. Schon die Erzählform, ausschließlich Dialoge, empfand ich als ungewöhnlich; und dann wird das Innenleben der Protagonisten eigentlich so richtig nur durch das, was sie über die Filme erzählen, transparent. Dazu die behutsame Annäherung, bei allem Misstrauen, das auch seine Ursachen hat - es hat mich nachhaltig beeindruckt.

Manuel Puig

Manuel Puig (* 28. Dezember 1932 in General Villegas, Argentinien; † 22. Juli 1990 in Cuernavaca, Mexiko) war ein argentinischer Schriftsteller und Filmschaffender.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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