Ann Cleeves - Sturmwarnung (Shetland)

Originaltitel: Blue Lightning
Krimi. Wunderlich Verlag 2010
400 Seiten, ISBN: 3805208804

Nun war es also soweit: Fran hatte zugestimmt, ihn zu heiraten. Und Jimmy Perez kann seine Verlobte mit nach Fair Isle bringen, um sie dort seinen Eltern vorzustellen. Schon der Hinflug war für Fran eine Herausforderung: Heftiger Wind, dazu eine klitzekleine Landebahn - ja, sie hatte Angst um ihr Leben.

Dafür war der Empfang durch Jimmys Familie um so herzlicher - und die Verlobung sollte gleich mit einem großen Fest für die ganze Insel gefeiert werden. Und zwar in der Vogelwarte, wo auch sonst die meisten größeren Feiern abgehlaten wurden - vor allem, seit die Köchin Jane dort das Zepter schwang, zumindest in Haushaltsangelegenheiten.

Denn die Vogelwarte selbst wurde von Angela geführt, einer jungen, bildschönen Frau mit bemerkenswertem Haar, die durch Fernsehauftritte auch außerhalb der Ornitohlogenszene bekannt geworden war.

Und genau diese Frau wird am Morgen nach dem Fest tot aufgefunden, ganz offensichtlich ermordet - und mit Vogelfedern geschmückt.

Normalerweise dürfte Jimmy in so einem Fall gar nicht ermitteln - war er doch als Einheimischer viel zu befangen, um offiziell ermitteln zu dürfen. Doch aus dem starken Wind war über Nacht ein Sturm geworden, der jegliche An- und Abreise auf die Insel unmöglich macht…

Und so wühlt sich Jimmy auf der Suche nach einem Motiv durch die Beziehungsgeflechte, die sich in seiner Abwesenheit auf der Insel ergeben haben. Motive, das steht rasch fest, die junge Frau zu ermorden, gab es mehr als anfangs vermutet. Zahlreiche Affären, dazu noch die eine oder andere berufliche Ungereimtheit lassen Perez die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem verschwimmen…

Auch bei diesem voraussichtlich letztem Band der Shetlandreihe habe ich mich wieder sehr gut unterhalten. Durch die begrenzte Zahl der möglichen Täter, die enge Verflechtung des Ermittlers mit dem Umfeld des Opfers und die Tatsache, dass die sonst üblichen technischen Hilfsmittel nahezu nicht eingesetzt werden können, wirkt die Ermittlung fast schon wie ein Zitat eines Agatha-Christie-Krimis.

Da ich an Krimis ohnehin die Psychologie der Tat am Interessantesten finde (neben dem Fortschreiten der privaten Entwicklung der Ermittler) konnte ich mich hier richtig gut einfühlen. Die Personen waren gut gezeichnet, und es wurde lange in der Schwebe gehalten, wer als Täter in Frage kommt.

Tja, und dann das Ende. Das Ende ist, soviel darf ich glaub ich verraten, heftig. Und es lässt vermuten, dass es vielleicht mit den 4 Bänden doch nicht getan ist und wir noch eine Fortsetzung erwarten können…

Ann Cleeves

Nach Abbruch ihres Studiums arbeitete Ann Cleeves zwanzigjährig für 2 Jahre als Köchin auf der Vogelwarte auf Fair Isle. Danach arbeitete sie u a als Erzieherin und Bewährungshelferin, schrieb nebenbei Krimis. Erfolg hatte sie allerdings erst mit den Shetlandkrimis. Für Die Nacht der Raben erhielt Ann Cleeves 2006 den Duncan Lawrie Dagger Award, die weltweit wichtigste Auszeichnung für Kriminalliteratur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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