Alfred Komarek - Doppelblick

Originaltitel: Doppelblick
Krimi. Diogenes 2010
180 Seiten, ISBN: 3257240309

Vorbei sind die ruhigen Zeiten, die Daniel Käfer im Salzkammergut verbracht hat. Nach seiner beruflichen Neufindungsphase ist er jetzt wieder in Hamburg und schneller wieder mit Aufgaben überhäuft, als ihm lieb ist. Als dann noch sein Bruder an Krebs stirbt und nur seine Frau zurücklässt, wird Daniel bewusst, dass er auf dem besten Weg ist, ebenso wie sein Bruder das ganze Leben nur der Arbeit zu widmen und ansonsten nichts Bleibendes zu schaffen.

Als ihn dann auch noch ein Tinnitus lahmlegt, kaum dass er nach der Beerdigung wieder in Hamburg ist, ist er nahe dran, einfach alles hinzuschmeißen. "Ich will mich einbringen, nicht umbringen" lautet sein dafür vorbereiteter Kommentar. Doch bevor er es sich endgültig mit seinem Mentor verscherzt, erhält er ein Angebot, das exakt auf ihn zugeschnitten ist und ihm gleichzeitig eine kleine Auszeit gewährt.

Eine Denkfabrik soll er einrichten, einen Ort der Kreativität. Da gibt es für Käfer nur eine Option: das Salzkammergut, und da am liebsten Bad Aussee, dem Ort, der schon so viele Dichter und Denker angezogen hat.

Doch entgegen seinen Erwartungen wird er hier nicht mit offenen Armen begrüßt, sondern sein Vorhaben sehr verhalten begutachtet. Etwas beleidigt orientiert er sich mit Schiller, der natürlich den Auftrag hat, ihn bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie zu unterstützen, dann eben nach Bad Ischl um, den Ort, den schon Kaiser Franz so schätzte.

Und in Ischl findet er ihn auch, den Ort, der ihm vorschwebt: den Doppelblick, eine halb verfallene Villa, die aber nicht zum Verkauf steht. Was keinem Investor vor ihm gelang: Käfer freundet sich mit Besitzer an…

Aber auch das Liebesleben des Daniel Käfer läuft nicht ganz wunschgemäß. Die erhoffte Begeisterung über seinen Heiratsantrag bleibt aus, stattdessen gesteht ihm Sabine, dass sie sich anderweitig verliebt habe…

In diesem vierten (und wohl auch letzten?) Band der Käferromane ist von Krimielementen keine Spur mehr - gut, die Kriminalfälle boten schon dort nur einen vagen Rahmen, innerhalb derer sich die Liebe des Autors zur Region Salzkammergut entfalten konnte. Im Doppelblick fehlt sie allerdings ganz, was leider dazu führt, dass auch ein gewisser Halt fehlt.

Doch davon ganz abgesehen - ich habe auch diesmal wieder mit nostalgischen Gefühlen ins schöne Salzkammergut geblickt, bekannte Orte aufgespürt, nette historische Details serviert bekommen. Kurzum: wer in der Region verhaftet ist, oder eine Urlaubsletüre für den Ort sucht, ist damit gut beraten. Ansonsten könnte sich eventuell leichte Langeweile einstellen.

Alfred Komarek

Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee, lebt und schreibt in Wien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©01.09.2010 Daniela Brezing - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing