Jan Seghers - Die Akte Rosenherz

Originaltitel: Die Akte Rosenherz
Krimi. Wunderlich Verlag 2009
410 Seiten, ISBN: 3805208480

Marthaler schwebt im siebten Himmel. Tereza erwartet ein Kind von ihm, er hat aus diesem Grund sogar geplant, seine beruflichen Ambitionen ein wenig zurückzustecken und sich aus den aktiven Ermittlungen herauszuhalten, und stattdessen die sogenannte Cold-Cases-Unit in Frankfurt aufzuziehen, sich also in Zukunft mit der Aufklärung längst zu den Akten gelegter Fälle zu befassen. Und dabei natürlich trotzdem Leiter der Ermittlungsabteilung zu bleiben… eine kleine Unlogik in einem Fall, der davon noch deutlich mehr zu bieten hat.

Die Idylle währt nicht lange. Tereza wird bei einem Überfall auf einen Kunsttransport schwer verletzt. Und Marthaler muss zähneknirschend akzeptieren, dass er an den Ermittlungen offiziell nicht teilnehmen darf. Ein Zustand, der für ihn kaum zu ertragen ist, weswegen er wohl auch den "Pakt mit dem Teufel" eingeht - eine Kooperation mit dem schlimmsten aller Pressemenschen der Stadt, mit Arne Grüther. Dieser hat Informationen, die den aktuellen Kunstraub mit einem der spektakulärsten unaufgeklärten Fälle verknüpft: mit der Ermordung der Prostituierten Karin Rosenherz, gesch. Niebergall.

Für diesen Fall interessiert sich auch die Journalistikstudentin Anna brennend - die Gründe werden dem Leser dann am Ende noch genauer vermittelt - die dann auch rasch mit Marthaler gemeinsame Sache macht.

Und dank der neuen Impulse kommen auch bald neue Fakten ans Licht, die den Fall in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Dazu trägt Anna mit einigen Aktionen mit vollem Körpereinsatz bei, die zwar nicht unbedingt logisch erklärbar, aber amüsant und spannend zu lesen sind.

Insgesamt ein Fall, dessen Rahmenkonstruktion arg zusammengeschustert erscheint, der an sich aber interessant und gut zu lesen ist.

Nur leider - bei Serienkrimis interessiere ich als Leserin mich nicht nur für die Aufklärung eines Kriminalfalls, sondern auch für die persönliche Entwicklung der Ermittler. Nun könnte man sagen: das ist hier ja mit dem dramatischen Überfall, der elbensbedrohlichen Situation für Marthalers Freundin und dem ungeborenen Kind gegeben. Theroetisch ja - praktisch allerdings haben mich diese Entwicklungen ziemlich kalt gelassen. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor ein wenig das Interesse und vor allem die Sympathie für seine Hauptfigur verloren hat. Dass auch diesmal kaum Gespräche zwischen Marthaler und seiner Freundin stattfinden können, diesmal, weil sie ja im Koma liegt, ist für mich schon beinahe ein Running Gag.

Trotzdem - besser als der Fall davor, zumindest in meinen Augen. Geben wir der Reihe noch eine Chance!

Jan Seghers

alias: Matthias Altenburg wurde 1958 geboren. Der Schriftsteller, Kritiker und Essayist lebt in Frankfurt am Main.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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