Banana Yoshimoto - Mein Körper weiß alles

Originaltitel: Karada Wa Zenbu Shitteriu
Erzählung(en). Diogenes 2010
208 Seiten, ISBN: 3257067518

Dreizehn Erzählungen sind hier in diesem Band versammelt, sie erzählen von Tod, Abschied, enttäuschten Hoffnungen - und sind dabei auf eine sehr berührende Weise ausgesprochen lebensbejahend und positiv.

In der ersten Erzählung nimmt eine junge Frau Abschied von ihrer sehr geliebten Großmutter. Und während zu Beginn die Besuche in der nun verlassenen Wohnung der Großmutter, um dort die Pflanzen zu gießen, ein Gefühl der Trostlosigkeit hervorriefen, ist es im Laufe der Zeit gerade die stille Einfachheit und Bescheidenheit dessen, was auch nach ihrem Tod da ist, die Pflanzen, die kleinen Dinge, die sie begleitet haben. Und wie ihre Großmutter täglich zu den Pflanzen sprach, so gibt sie der Enkelin auch noch einen Wunsch für die Zukunft mit, einen Blick darauf, was die Ältere für ihre Begabung hält: den sprichwörtlichen grünen Daumen, das Gespür für Pflanzen, speziell für die Aloe.
Das mag ein wenig kitschig wirken, aber es ist so einfach und erfrischend erzählt, dass es auf ganz eigenwillige Weise anrührt.

Ähnlich ging es mir mit einer Erzählung über einen Brief, den eine junge Frau von der Ehefrau ihres Geliebten erhält. Nun weiß diese also Bescheid - ohne sie allerdings zu beschimpfen, bedrängen, ihr die Aufgabe des Mannes nahezulegen. Es ist sie selbst, die daraufhin diese große Liebe für sich abschließt, in der Hoffnung, irgendwann einen Mann zu finden, der auch den Alltag mit ihr teilen kann.

Diese Hoffnung teilt sie mit der Protagonistin einer anderen Erzählung, in der die junge Frau als Kellnerin sowohl in einem Teesalon wie auch im Restaurant ihres Vaters arbeitet. Ihr Traum ist ein eigenes Restaurant, sie lernt und arbeitet - nur für Männer, speziell ihres Alters, fehlt die Zeit und die Gelegenheit. Nur ein sehr alter und ein sehr junger Mann kommen ihr nahe…

Es gab auch Erzählungen, die mich weniger angesprochen haben. Was mich an den Geschichten vor allem angesprochen hat, war die Grundstimmung: ich fühlte mich so aufgehoben, so umsorgt und behütet durch die Schilderung von Menschen, die aufgrund des einen oder anderen Erlebnisses in sich die Kraft finden, auf die eigene Kraft zu vertrauen, sich einzulassen und das Leben zu bejahen. Keine große Literatur, das mag schon sein, aber ein Büchlein, das mir gut tat.

Banana Yoshimoto

Banana Yoshimoto, eigentlich Mahoko Yoshimoto, geb. 24.7.1964, lebt in Tokio. In ihrer Heimat ist sie mit ihren Büchern zum Jugendidol avanciert. Sie erhielt bereits zahlreiche Literaturpreise.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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