Nicola Keegan - Schwimmen

Originaltitel: Swimming
Roman. Rowohlt Verlag 2010
477 Seiten, ISBN: 349803541X

Ihre Eltern hatten sie zum Babyschwimmen mitgenommen in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, womit das anstrengende Baby zu beschäftigen wäre. Es war Liebe auf den ersten Augenblick - Philomena, genannt Phil, Mena, Pit, war in ihrem Element. Und blieb da auch.

Blieb da, als die ältere Schwester an Krebs erkrankte, der Vater bei einem Unfall verstarb, die Mutter sich vor Kummer ins Bett zurückzog und nur noch Krimis las und die jüngeren Schwestern in die entgegengesetzten Richtungen Drogenkarriere und Helfersyndrom abdrifteten.

Es war auch ein Weg weg aus Kansas, weg von den Nonnen, die ihre Schullaufbahn geprägt hatten, von den Katholiken, die in Scharen das Haus belagerten um ihre Hilfe anzubieten nach den beiden Schicksalsschlägen - und hin in eine Welt, in der ein ganzer Trainerstab für sie zuständig war, die sie von Atemtechniken bis zur entsprechenden Ausdrucksweise betreuten.

Mit 20 steht sie ganz oben im Schwimmerolymp - Mitglied im Olympiateam der USA, und schließlich tatsächlich mit 8 Goldmedaillen ausgezeichnet. Dazu endlich nach einer Reihe belangloser Affairen ein Mann, der ihr Herz zum Zittern bringt.

Doch nach diesen Höhen folgt unweigerlich ein Abstieg - den sanften Weg versäumt sie, es wird ein brutaler Sturz, der sie zwingt, sich mit all den verdrängten Geistern ihrer verkorksten Kindheit auseinanderzusetzen…

Die Laufbahn der Schwimmerin, die Beschreibung des Trainings, des Kicks, den die Leistung in ihr auslöste, die Kameradschaft wie auch der Neid im Team - all das fand ich an diesem Buch spannend und interessant, auch lebhaft und farbig erzählt, alleine dafür hat sich die Lektüre gelohnt. Neben dem Beginn der Karriere ist auch das Ende derselben (was passiert denn mit einem Sportler, dessen aktive Periode beendet ist, wie gestaltet er selbst den Ausstieg oder verpasst ihn eben) etwas, was mich über das Ende des Buches hinaus beschäftigt hat. Wobei ich es schade fand, dass dieser Aspekt dann durch die Aufarbeitung der verkorksten Familiengeschichte unterging.

Weniger angesprochen fühlte ich mich durch die dahinterstehende Familiengeschichte - Tod und Drogen und Nervenzusammenbrüche, all das kam mir so aus tausenden Büchern und Filmen bekannt vor, dass es mich hier eher gelangweilt hat, zumal ich auch mit der verwendeten Sprache nicht so recht warm wurde. Über weite Strecken gibt es nämlich extra kursiv gesetzte Dialoge, die sehr stark an der tatsächlich gesprochenen Sprache angelehnt sind, inklusive der unvollständigen Sätze, der Gedankensprünge und Redundanzen.

Insgesamt eine interessante, aber nicht durchgängig überzeugende Lektüre für mich.

Nicola Keegan

Nicola Keegan wurde 1964 in Galway, Irland, geboren und wuchs in den Vereinigten Staaten auf. Sie studierte an der Sorbonne und an der University of Iowa. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Frankreich und Irland.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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