Sten Nadolny - Ullsteinroman

Originaltitel: Ullsteinroman
Roman. Ullstein Verlag 2006
483 Seiten, ISBN: 3548259561

Vor (mittlerweile) etwas mehr als einhundert Jahren wurde der Ullstein Buchverlag gegründet - im vorliegenden Roman wird der Geschichte der Familie Ullstein von der Kindheit des Leopold Ullstein im fränkischen Fürth an bis hin zur Übernahme des dann schon als Aktiengesellschaft geführten Unternehmens durch die Nazis geschildert.

Sehr lebendig schildert Nadolny den Aufbruch des jungen Ullstein aus dem väterlichen Papierhandel nach Berlin und den Aufbau des Imperiums. Lange geht es ja nur um Papier, bis Leopold, in nicht mehr ganz jungen Jahren, die nächste Herausforderung angeht: nicht nur das Papier zu verkaufen, sondern es auch zu bedrucken.

Um Bücher geht es in dabei erst später; zunächst werden Zeitungen gedruckt. Eindrucksvoll wird hier vom Zeitungsstreit erzählt, davon, wie zu dem Zeitpunkt dann auch Leopolds Söhne schon im Unternehmen mitarbeiten und es auf ihre Weise prägen.

Und wer glaubte, dass Verwertungsketten eine Erfindung unserer Zeit sind, wird hier auch eines Besseren belehrt - in den Ullstein-Zeitungen werden Fortsetzungsromane gedruckt, die dann im Ullstein Buchverlag erscheinen und, wenn sei verfilmt sind, wieder von den Ullstein-Zeitungen besprochen werden und so weiter.

Das Imperium wächst, und aus dem vom Familienhaupt geführten Unternehmen wird eine Aktiengesellschaft, dessen Vorstand die fünf Ullsteinsöhne bilden.

Zu viele Köche verderben den Brei - und auch in den besten Familien kommt es zum Streit, hier zu einem besonders hässlichen und überflüssigen. Dass zu dem Zeitpunkt die Familie ohenhin nicht mehr lange das Sagen haben wird im Verlag hatte ja keiner wirklich glauben wollen und können…

Je größer die Familie wird, umso mehr verzettelt der Roman sich auch, weil ja allen Mitglieder, die irgendwie für den Verlag relevant waren, auch der entsprechende Raum im Buch gegeben wird.

Aber davon abgesehen ist es ein interessanter Überblick über diese Zeitepoche, mit informativen historischen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels, dass ich trotz mancher Längen sehr gerne und mit Gewinn gelesen habe.

Sten Nadolny

Sten Nadolny wurde am 29. Juli 1942 in Zedenick an der Havel geboren und wuchs in Oberbayern auf. Studium der Geschichte in Göttingen, Tübingen und Berlin. Promotion, danach Tätigkeit als Geschichtslehrer und Aufnahmeleiter beim Film. 1990 Gastdozent für Poetik der Gegenwartsliteratur an der Universität München. Sten Nadolny lebt in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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