Pablo de Santis - Das Rätsel von Paris

Originaltitel: El enigma de Paris
Krimi. Unionsverlag 2010
320 Seiten, ISBN: 329300413X

"Ermittler und Schuster sehen sich schließlich die Welt von unten an. Sowohl die einen wie die anderen beschäftigen sich mit den Schritten der Menschen, wenn diese vom Weg abkommen." Mit diesen Worten stellt Sigmundo Salvatrio sich hier im Roman vor; er ist seit Kindestagen begeisterter Leser der Abenteuer einer Gesellschaft der "12 Detektive", deren Falllösungen er mit ebensoviel Begeisterung verfolgt wie er Rätsel löst, wenn er nicht seinem Vater, dem Schuster, bei der Arbeit hilft.

Umso größer ist dann seine Begeisterung, als der Detektiv Craig eine Akademie gründet, um jungen Männern seine Erkenntnisse zu vermitteln. Wie so viele andere auch hofft Salvatrio, dass Craig am Ende den Begabtesten unter ihnen zum Adlatus erwählt, zu seinem Begleiter, wie ihn auch die anderen Detektive dieser Vereinigung haben.

Große Chancen rechnet sich Salvatrio dabei nicht aus, denn es gibt schon bald einen offensichtlichen Liebling des Meisters, der sich mit brillianten Schlussfolgerungen hervortut und beim ersten wirklichen Fall, zu dem Craig die Kandidaten hinzuzieht, an allen anderen vorbeizieht und es schafft, in nächster Nähe zum vermuteten Mörder zu arbeiten. Zu seinem eigenen Schaden - er ist das nächste Opfer, und Craig zerbricht an seiner Schuld.

Daher ist es dann Salvatrio, der als letzter noch getreulich zu Craig gehalten hatte, der von diesem gebeten wird, ihn in Paris zu vertreten. In Paris, zur Weltausstellung, wollten sich nämlich die 12 Detektive treffen, und auch ihrerseits die große Schau mit den Instrumenten ihrer Arbeit vervollständigen.

Als Salvatrio in Paris ankommt, ist man noch eifrig am Bau des großen Turms zugange - es gibt Widersacher, die die Fertigstellung verhindern wollen. Und einer aus der Gruppe der 12 hatte sich auf die Spur dieser Saboteure geheftet - um nun selbst tot am Fuß des Eiffelturms gefunden zu werden.

So wird er erneut in die Ermittlungen zu einem Fall hinzugezogen, der eines der großen Rätsel werden könnte, das dann wieder in den Detektivzeitschriften zu lesen ist…

Diesen Krimi habe ich vor allem als ironisches Augenzwinkern in Richtung der bekanntesten Detektivromane gelesen. Bei Detektiv und Gehilfe denkt man natürlich erst an Sherlock Holmes und Doktor Watson, und so manche Anspielung geht auch in diese Richtung. Die anderen Detekive habe ich nicht unbedingt direkt zuordnen können, fand es allerdings auch unerheblich.

Es ist an sich auch fast eine Sammlung von kriminellen Geschichten und ihren Lösungen, von den verschiedenen Formen der klassischen Detektivliteratur - und als solches dann fast als eine Reihe Erzählungen, eingebettet in eine ebenfalls dem Genre entsprechende Rahmenhandlung.

Es las sich nett, es gab viele interessante Passagen über das Paris kurz vor der Weltausstellung, und über das Wesen der Argentiner, zumal, wenn sie als Detektive arbeiten oder sich im Ausland befinden, bin ich nun auch hinreichend aufgeklärt. Auf alle Fälle mal ein Krimi der etwas anderen Art - er hat mich unterhalten, aber nicht unbedingt begeistert.

Pablo de Santis

Pablo De Santis, geboren 1963 in Buenos Aires, ist aus der Gegenwartsliteratur Argentiniens nicht mher wegzudenken. Bis heute hat er über zwanzig Bücher veröffentlicht, darunter Detektiv- und Kriminalromane, Comics, Kinder- und Jugenbücher. Mit seinen Romanen "Die Fakultät" und "Die Übersetzung" schaffte er den internationalen Durchbruch. Für seinen letzten Roman "Das Rätsel von Paris" wurde er mit dem Premio Casamerica 2007 ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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