Originaltitel: Wie die Madonna auf den Mond kam
Roman. DVA 2009
515 Seiten, ISBN: 3421044465


Der erfolgreiche Flug der Sputnik in den Weltall 1957 ist ein Ereignis, das sogar in Baia Luna registriert wird. Und in Baia Luna, dieses 250-Seelen-Dorf in den transmontanischen Karpaten, lebt man nun wirklich hinter dem Mond.
Hier lebt ein Gemisch aus Rumänen, Ungarn, Sachsen und Roma in mehr oder weniger friedlicher Eintracht, seelsorgerisch angeleitet vom mittlerweile steinalten Pfarrer Johannes. Der ist es auch, der Pavel Botevs Großvater und dessen besten Freund, einem exzentrischen Roma, die wahren Hintergründe dieses Raumfahrtprogramms erklärt: es geht um den Beweis der Existenz Gottes. Den die Amerikaner, die ihre Währung ja mit einem "In God We Trust" versehen haben, verzweifelt zu beweisen suchen müssen, während die Russen womöglich in der Lage sind, die entsprechenden Beweise zu vernichten. Und um welchen Beweis es sich dabei handeln kann, diese Information enthält er ihnen auch nicht vor: es geht um die einzige Person, die in Fleisch und Blut in den Himmel aufgefahren ist, um die Madonna also.
Der Pfarrer wird nur wenige Tage nach diesem Gespräch ermordet - ein Grund mehr für die beiden andern alten Herren, sich auf die intensive Suche nach Beweisen für diese gewagte Theorie zu machen. Sie werden auch fündig - in der Bibel, aber auch in ihrem Dorf selbst, wo die kultisch verehrte Madonnenstatue ja auch bereits zeigt, dass früher durchaus bekannt war, dass die Madonna auf dem Mond im Kreise der Jünger Hof hält. Nun gilt es nur noch, den Amerikanern dieses Wissen zukommen zu lassen…
Neben dieser ausgesprochen skurillen - und ganz wider Erwarten auf herrliche Weise fesselnden - Geschichte, die sich durch das gesamte Buch zieht, geht es aber vor allem um eine kleine Dorfgemeinschaft in einem fiktiven Land, das stark an Rumänien und dessen Geschichte angelehnt ist. Der Klappentext hatte mich dabei aber erstmal eher abgeschreckt:
Seit dem 6. November 1957 steht die Welt plötzlich Kopf in den transmontanischen Karpaten: Während der Sputnik im All piept, erhält der 15-jährige Pavel Botev einen ungeheuerlichen Auftrag: "Schick ihn zur Hölle", flüstert ihm seine Lehrerin zu, als er das Foto des neuen Parteisekretärs im Klassenzimmer aufhängt. Des Nachts verschwindet die Lehrerin spurlos, dann findet man den greisen Dorfpfarrer mit durchgeschnittener Kehle, das Ewige Licht in der Kirche erlischt, und aus der Kapelle auf dem Mondberg wird die Madonna geraubt. Pavel versucht, einen sinnhaften Zusammenhang zwischen all diesen mysteriösen Geschehnissen herzustellen – aber erst drei Jahrzehnte später, als der Sozialismus im schwarzen Loch der Geschichte verschwindet, gelingt es ihm, Gerechtigkeit für seine Lehrerin zu erwirken.
Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, lebt im westfälischen Hiddingsel. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Theologie hat er sich dem Journalismus zugewandt. Er hat Reportagereisen in rund sechzig Länder unternommen; seine Text- und Bildreportagen erscheinen in europäischen Tageszeitungen und Magazinen und sind vielfach ausgezeichnet.
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