Nadeem Aslam - Das Haus der fünf Sinne

Originaltitel: The Vasted Vigil
Roman. Rowohlt Verlag 2009
464 Seiten, ISBN: 3498000772

Im Schatten der Bora-Bora-Berge in Afghanistan befindet sich eine aufgelassene Parfumfabrik mit angrenzender Villa, die der Ort des Zusammentreffens einer fast schon exemplarischen Gruppe von Menschen ist. Marcus, ein Engländer, lebt hier schon ganzes erwachsenes Leben. Um Quatrina heiraten zu können, war er sogar zum muslimischen Glauben übergetreten. Beide hatten sie als Ärzte gearbeitet - doch Quatrina war von den Taliban die Berufsausübung nicht mehr gestattet worden. Und ihre Eheschließung wurde für ungültig erklärt, da sie von einer Frau vorgenommen worden war. Sie war zuletzt wahnsinnig geworden, hatte alle Bücher, die sie beide angesammelt hatten, an die Decken des Hauses genagelt, um sie vor dem Zugriff der Taliban zu schützen.

In diesem Haus taucht eines Tages Lara auf, eine Russin auf der Suche nach ihrem Bruder. Dieser war während der sowjetischen Besetzung des Landes desertiert, seither war sie auf der Suche nach seinem weiteren Verbleib und hierher, in die Stadt Usha,verwiesen worden.

David, ein alter Freund von Marcus, der einst dessen Tochter Zameen sehr geliebt hatte, könnte ihr mehr darüber erzählen - denn Zameen verband eine ganz eigene, sogar Marcus verschwiegene Geschichte mit dem jungen Russen. Einen Teil dieser Geschichte hatte David, der für die CIA gearbeitet hatte, durch Ausnutzung seiner Tätigkeit erst in Erfahrung bringen können.

Die zufällige Gemeinschaft wird dann noch durch einen potentiellen Selbstmordattentäter, Casa, und eine junge moderne Frau, die aufgrund ihrer Tätigkeit als Lehrerin um ihr Leben fürchten muss, ergänzt.

Man merkt es der Aufzählung vielleicht schon an: es ist ein Zusammentreffen der verschiedenen Strömungen, die in diesem Land in den vergangenen 30 Jahren die Tagespolitik bestimmten - mit dem Bemühen, diese Geschichte mit ihren Einflussbereichen für den Leser transparenter zu machen. Eben zu zeigen, welchen Einfluss die USA schon weit vor 2001 versucht hatte einzunehmen, mit welchem Selbstverständnis agiert wurde, welche Opfer (natürlich anderer) stillschweigend in Kauf genommen wurden.

Es ist ein sehr politisches Buch in dieser Hinsicht und will in meinen Augen aufrütteln und Augen öffnen.

Aber dazu kommt dann eben auch noch eine Rahmenhandlung, mit der ich mich nicht ganz anfreunden konnte. Zu stark verwoben waren mir hier die zufälligen Begegnungen, und ich empfand so manche Darstellung als ausgesprochen klischeehaft. Dieser Mangel an glaubhaften Protagonisten hat mich dann auch die Lektüre als etwas zäh empfinden lassen, obwohl ich viele der erhaltenen Informationen und Einblicke als bereichernd empfand.

Nadeem Aslam

Nadeem Aslam wurde 1966 in Gujranwala, Pakistan, geboren, musste das Land wegen des Widerstands seines Vaters gegen das Zia-Regime als Jugendlicher verlassen, studierte in England Biochemie und Literatur und lebt heute in London

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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