Vladimir Nabokov - Das Modell für Laura

Originaltitel: The Original of Laura
Roman. Rowohlt Verlag 2009
320 Seiten, ISBN: 3498046918

Nabokovs letzter Roman - oder besser: ein Romanfragment, das er eigentlich vernichtet haben wollte. Der Inhalt dieser wenigen Karteikarten ist für Kenner und Liebhaber des Autors sicher interessant und aufschlussreich, falls man jedoch auf einen - wenn auch unvollständigen - Roman gehofft hatte wie ich, wird man wohl eher enttäuscht sein.

Nabokovs Sohn erzählt in einem langen Vorwort von der Entstehungsgeschichte dieses Roman(fragrments). Von der langen Zeit im Krankenhaus ist die Rede, davon, wie er bis zum Schluss noch fieberhaft daran gearbeitet hatte, wie er aber gleichzeitig auch darum gebeten hatte, das Fragment zu zerstören, sollte er es nicht mehr zu einem Ende bringen. Dabei hatte er selbst wohl diesen im Entstehen begriffenen Roman zu seinen wichtigsten Werken gezählt.

Der Sohn rechtfertigt sich im Vorwort ausführlich für seinen Entschluss - so sehr, dass das Pendel bei mir von Verständnis schon wieder zu Unbehagen umschwenkte. Und dieses Unbehagen wurde noch größer, als ich dann die Übertragung der Karteikarten ins Deutsche gelesen hatte

In meiner Vorstellung war unter Romanfragment eben einfach mehr zu erwarten. Ich hatte naiverweise vermutet, es würde zB der Schluss fehlen, oder eben einige Passagen wären nicht fertig ausgearbeitet, ähnlich, wie es zB bei Camus "Der erste Mensch" der Fall war. Die hier vorliegenden Karteikarten (ein Blick darauf, der ja auch die Arbeitsweise des Autors transparenter macht, war auch für mich als Laien sehr interessant) würden jedoch allenfalls 10 - 15 % eines fertigen Romans füllen, sind dazu auch aus unterschiedlichen Bereichen des erst noch zu schreibenden Textes, und somit in meinen Augen für einen Leser wie mich wohl eher eine leise Enttäuschung. Sicher, da bleiben immer noch diese einzelnen fertig ausgearbeiteten Szenen, zum Teil sehr ausdrucksstarke Formulierungen - aber für mich fehlte einfach der große Zusammenhang, in den ich diese Figuren setzen konnte, der Fluss, der sich anhand einzelner Passagen eben nicht so recht einstellen konnte.

Ich kann nun die skeptischen Kommentare zum Vorgehen des Sohnes besser nachvollziehen…

Vladimir Nabokov

wurde am 23. April 1899 in St. Petersburg geboren. Nach der Oktoberrevolution flieht die Familie 1919 nach England. Er studiert in Cambridge und Berlin. Nach der Flucht aus Deutschland lebt er erst in Paris, dann in den USA. Er starb am 2. Juli 1977.

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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