Christoph Poschenrieder - Die Welt ist im Kopf

Originaltitel:
Roman. Diogenes 2010
339 Seiten, ISBN: 3257067410

"Die Welt als Wille und Vorstellung" - unter diesem Titel wollte Schopenhauer seine Philosophie veröffentlicht sehen. Wie hatte er es sich vorgestellt, welche Reaktion dieses Werk hervorrufen würde, wie er dann, auf Reisen in Italien, die eine oder andere Bekanntschaft machen und sich darauf berufen könne. Vor allem, da ihm nun der große Goethe doch noch eine Empfehlungskarte zukommen hatte lassen, für Lord Byron, den unangefochtenen Dichterkönig.

Aber Brockhaus hatte das Buch nicht rechtzeitig gedruckt, die Reise war beschwerlich und brachte erstmal hauptsächlich den Kontakt zu einem Studenten - der sich allerdings, wie er, mit indischer Philosophie zumindest am Rande beschäftigt hatte und sich als Brahmane bezeichnete. Was ihnen beiden einen Vermerk in den Geheimdienstakten Metternichs eintrug, und zu einer noch ausführlicheren Bespitzelung, als es Reisenden in jenen Tagen ohnehin zuzumuten war.

Doch statt sich in Venedig, ausgestattet mit dem Empfehlungsschreiben, zu Byron aufzumachen, folgt er lieber einem Hund als Reiseführer, der ihn in Kontakt mit dem wahren Venedig und damit auch deren Schönheiten bringt. Die Schönheit heißt Theresa und diese hat pragmatische Vorstellungen davon, wie man sich das Leben in Venedig richten kann.

Nebenbei erfährt man auch noch, wie sich Lord Byron so befindet, was er schreibt und denkt, was Metternich so umtreibt, wie die politische Lage jener Zeit war, und natürlich auch ein wenig mehr zu Schopenhauers familiären Hintergrund.

Das ist alles an sich nett zu lesen, ich empfand die Schilderung jener Zeit als gut zu lesen und aufschlussreich, gerade, wenn man sich bislang wenig damit beschäftigt hat.

Und doch. Und doch hatte ich so meine Probleme mit dem Buch, die vor allem darin liegen, dass ich immer ein wenig Bauchschmerzen habe, wenn einer realen historischen Person Handlungen und Gedanken untergeschoben werden, die so zwar vielleicht sogar stattgefunden haben könnten, aber an sich eben erfunden sind.

Wer einfach nur einen netten historischen Roman lesen will, wird damit sicher nette Stunden verbringen. Wer aber tatsächlich auf unterhaltsame Weise mehr über Schopenhauer und seine Philosophie erfahren möchte, sollte sich lieber an Rüdiger Safranskis "Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie" halten.

Christoph Poschenrieder

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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