Veit Heinichen - Die Ruhe des Stärkeren

Originaltitel: Die Ruhe des Stärkeren
Krimi. Zsolnay Verlag 2009
320 Seiten, ISBN: 3552054553

Während in Triest wie andernorten die Vorbereitungen für Weihnachten auf Hochtouren laufen, muss sich Proteo Laurenti widerwillig mit ganz anderen Dingen beschäftigen - dem Staatsakt, der anlässlich der Erweiterung der Schengen-Zone an der italienisch-slowenischen Grenze stattfinden soll.

Unzählige Besprechungen hatten hierzu stattgefunden, zuletzt in Rom, wohin auch Laurenti beordert worden war. Zu seinem weiteren Verdruss wurde sein Rückflug bestreikt, so dass er sich mit dem Zug begnügen musste - um dann auch noch, kurz vor Triest, in einen Mordfall hineingezogen zu werden.

Eigentlich sieht dieser Mord erst nach einer der üblichen Abrechnung unter kleinen Ganoven aus. Das Opfer war ein Schmuggler und kleiner Dealer - doch dann findet die kleine Inspektorin Pina eine Waffe und eindeutige Mordanweisungen in dessen Unterlagen. Und dank eines für sie schmerzhaften und unglücklichen Zufalls erkennt sie auch das potentielle Opfer: ein reicher Finanzmagnat, der sich im slowenischen Karstland den elterlichen Bauernhof zu einem Luxusanwesen umgebaut hat, das er nun gemeinsam mit seinem gelähmten Sohn bewohnt. In diesen Sohn, Sedem, hat Pina sich ganz gegen ihren Willen ein wenig verliebt…

Wie so oft wird die Morddrohung von höherer Stelle nicht so recht ernst genommen. Auch die neu geknüpften Kontakte zu den slowenischen Kollegen helfen nicht recht weiter, weil auch hier die Gefahr an höherer Stelle heruntergespielt wird.

Bis dann der Festakt selbst kommt - und das Unglück seinen Lauf nimmt…

Eingebettet in interessante Ausführungen zu vielen Fragen aus Wirtschaft, Politik und Kriminalität (und der Tatsache, dass sie mittlerweile untrennbar zusammengehören…) ist einerseits eine zarte Liebesgeschichte, aber auch die Erlebnisse eines Kampfhundes. Diese Kapitel - aus der Perspektive des Hundes geschildert - sind zwar aufschlussreich, was die Zucht und das Training dieser auf Töten spezialisierten Tier anbelangt. Aber erstens fand ich es in dieser Ich-Form in einem Krimi dieses Formats recht unangemessen, und außerdem hat es für mich auch den Schwerpunkt ein wenig zu sehr von den eigentlichen Verstrickungen in Politik und Wirtschaft genommen. Daher ein Punkt Abzug in der Wertung.

Ansonsten habe ich mich wieder einmal sehr gut unterhalten gefühlt, die Rahmengeschichten rund um Laurenti, seine Familie und sein Team sind zum Glück eben auch mal so gelagert, dass nicht ausschließlich die heile heile Familie gezeigt wird, sondern daneben auch Platz hat, was an erwachsenen Kindern alles verärgern kann.

Veit Heinichen

Veit Heinichen, geboren 1957, arbeitete als Buchhändler und für verschiedene Verlage. 1994 war er Mitbegründer des Berlin Verlags und bis 1999 dessen Geschäftsführer. Er kam 1980 zum ersten Mal nach Triest, wo er heute lebt. Unter dem Titel Grenzgänge berichtete er für die Badische Zeitung aus der Hafenstadt an der nördlichen Adria.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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