Thomas Glavinic - Das Leben der Wünsche

Originaltitel: Das Leben der Wünsche
Roman. Hanser Literatur Verlag 2009
320 Seiten, ISBN: 3446233903

Nach einer alkoholgeschwängerten Geburtstagsparty im Büro begegnet Jonas einem Mann, der nicht nur erstaunlich gut über ihn Bescheid zu wissen scheint, sondern ihm auch noch sagt, er hätte drei Wünsche frei. Drei Wünsche? Prima! Wird sich nun mancher denken. Wünsch ich mir eben Wohlstand, Glück und Gesundheit für mich und die meinen… aber natürlich würde das ein eher langweiliges Buch ergeben.

Also wünscht sich Jonas zunächst wesentlich abstraktere Dinge. Dass er etwas vom Dasein durchschaut, dass er Grenzsitiationen kennenlernt,sowas in der Art. Aber wirklich wünscht er sich dann nur: dass zukünftig alle seine Wünsche in Erfüllung gehen mögen. Ein Wunsch, vor dem er auch gleich gewarnt wird: denn nicht, was er oberflächlich ausdrückt, sondern das, was er sich im innersten wünsche, würde nun in Erfüllung gehen.

"Be carefull what you wish for" heißt es darum ja auch in einer alten Spruchweisheit. Und bald schon überkommen Jonas Zweifel, ob er sich diese seltsame Begebenheit tatsächlich nicht eingebildet hat sondern tatsächlich erlebt hat.

Denn von nun an häufen sich die seltsamen Vorfälle in seinem Leben. Er, verheiratet, mit zwei Kindern, hat nebenbei noch ein Verhältnis mit Marie, die er nicht lassen will, ohne sich dafür von seiner Frau trennen zu können. Ein Dilema, das sich durch den plötzlichen Tod Helens auf erschreckende Weise löst. Doch das ist erst der Anfang - plötzlich sieht er sich allenthalben mit Katastrophen konfrontiert, sei es ein Raubüberfall mit tödlichem Ausgang, Zeitungsnotizen vom grausigen Tod eines Widersachers, einen Beinahe-Flugzeugabsturz… und immer häufiger hat er Absenzen, fühlt sich außerhalb von Raum und Zeit.

Was am Anfang noch ein zumindest formal interessantes Ausgangsthema schien, wurde zumindest für mich im Laufe der Lektüre immer weniger ansprechend. Dazu trägt sicher auch bei, dass der Szenenwechsel immer abrupter erfolgte, man auch als Leser immer schwerer zwischen Wachen und Träumen unterscheiden kann (und es, wie in meinem Fall, irgendwann auch für völlig belanglos hält).

Die Kernaussage (für mich), dass in jedem Menschen sehr dunkle Seiten stecken, die es oft besser ist, auch vor sich selbst zu verstecken, und die im normalen Leben auch gar nicht wirklich zum Vorschein kommen, weil sie nicht ausgelebt werden können, hat man als Leser schon nach kurzer Zeit gefunden, danach kam für mich einfach nichts mehr, was mich diesbezüglich überraschen konnte. Noch ein Effekt mehr und noch einer mehr änderte nichts an dem, was doch ohnehin schon feststand. Im Gegensatz zu den begeisterten Profikritiken in den großen Zeitungen konnte mich dieser Roman nicht überzeugen oder gar begeistern.

Thomas Glavinic

Thomas Glavinic, geboren 1972 in Graz, schreibt seit 1991 Romane, Essays, Erzählungen, Hörspiele und Reportagen. Sein Kriminalroman "Der Kameramörder" wurde 2002 mit dem Friedrich-Glauser-Krimipreis ausgezeichnet. Glavinic lebt mit seiner Familie in Wien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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