Lion Feuchtwanger - Jud Süß. Hörspiel

Originaltitel:
Hörbuch - Roman. DerAudioVerlag 2006
6 CDs, ISBN: 3898135721

Über "Jud Süß" wusste ich nicht viel mehr als dass es einen Nazi-Propagandafilm diesen Namens gab, den ich nicht kenne - und eben einen Roman von Lion Feuchtwanger.

Im Booklet zu diesem Hörspiel wird kurz umrissen, dass Lion Feuchtwangers Roman auf einer realen Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts beruht; allerdings hat er sich beim Verfassen dann die dichterische Freiheit herausgenommen, Personen hinzuzuerfinden.

Josef Oppenheimer ist ein reicher Jude, der zwar nicht besonders religiös ist, ja, dieses "Eingekapselte" eher verdrängt, der aber andererseits auch nicht gewillt ist, zum Christentum zu konvertieren, wie es beispielsweise sein Bruder gemacht hatte. Er weiß, dass er auf diese Weise ziemlich problemlos einen soliden Platz in der guten Gesellschaft haben würde, zieht es aber vor, diesen auf seinem eigenen Weg zu erreichen, unter Beibehaltung seiner Wurzeln.

Als er mit Karl August in näheren Kontakt kommt ist noch nicht abzusehen, dass dieser tatsächlich der Herzog von Würtemberg werden würde; doch genau das geschieht wenig später, und Süß wird sein Intimus, der Mann, der es einerseits schafft, ihm die persönlichen Genüsse zu verschaffen, nach denen ihm gelüstet (Frauen und Luxus) und ihm gleichzeitig auch in seiner Funktion als Schatzmeister die Staatskassen für die Feldzüge füllt.

Würtemberg wird nicht mehr absolutistisch regiert, es gibt ein Parlament, Gesetze, es ist ein protestantisches Land - der Herzog jedoch ist (verschuldet durch genau jene, die es nun bitter bereuen) katholisch und verschafft den Paptisten mehr Macht im Land. Die Intrigen und Spekulationen sind übrigens auch aus heutiger Sicht noch hochspannend!

Josef Süß ist so weit oben, wie es nie zuvor ein Jude war - und genauso tief ist dann auch sein Fall, als er nach dem Tod des Herzogs angeklagt, gegen jede Gesetzeslage verurteilt und hingerichtet wird...
Es war für mich ein spannendes Stück Geschichte, besonders, da Lion Feuchtwanger in meinen Augen relativ wenig wertet. Keiner kommt richtig gut weg in dieser Geschichte; Machtstreben und Korruption sind von allen Parteien zu finden und werden auch nicht einer verniedlichenden höheren guten, großen, reinen Idee untergeordnet.

Soweit zum positiven Aspekt. Womit ich allerdings ein Problem hatte waren Teile der Machart des Hörspiels. Ich komme ja selbst aus dem süddeutschen Sprachraum - aber wie hier manchmal geschwäbelt wurde war selbst für mich oft schwer zu verstehen. Dazu kam, dass immer wieder auch wichtige Passagen (der innere Monolog) geflüstert wurde, war so leise zu hören, dass man dauernd am Regulieren der Lautstärke war.
Nachdem ich dann aber gesehen habe, dass es sich um keine Neueinspielung, sondern um eine Produktion des SWR von 1981 handelt, konnte ich diese Schwächen (auch das Schwäbische, für die Region ist das ja ok) akzeptieren.

Lion Feuchtwanger

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©27.09.2009 Daniela Brezing - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing