Gilbert Adair - Und dann gab´s keinen mehr

Originaltitel: And Then There Was No One
Krimi. CH Beck Verlag 2008
304 Seiten, ISBN: 3453434668

Gilbert Adair, Autor von diversen postmodernen Romanen und zuletzt vor allem verkaufstechnisch sehr erfolgreich mit zwei Krimiparodien/plagiaten im Stil Agatha Christies, konnte sich auch für Sherlock Holmes erwärmen und hat einige "unveröffentlichte Geschichten aus dem Nachlass" veröffentlicht. Daher wurde er dann auch zum 1. Sherlock-Holmes-Festival in Meiringen eingeladen, wo bekannterweise dieser Ermittler sein zu frühes Ende gefunden hatte.

Wie es zu dieser Einladung kam, unter welchen Umständen sie stattfand, und wer sonst noch alles geladen war, wird ausführlich berichtet - schließlich tritt in diesem Roman hier Adair als der auf, der er ist - der Autor von… (siehe weiter oben).

Im Zuge dieses Festivals begegnet er dann auch seiner eigenen Figur, Evadne Mount, die wie er dieses Festival besucht. Und als dann am nächsten Morgen der geheimnisvolle Star des Festivals ermordet aufgefunden wird, beginnt Evadne natürlich wieder zu ermitteln und die Motive aller Anwesenden, die von der Anwesenheit des berühmten Toten gewusst hatten, zu durchleuchten.

Schon im Vorwort wird erläutert, warum Savorigin, so der Name des Ermordeten, sich den Zorn eines reichen Amerikaners zugezogen hat, der eine Kopfgeldprämie auf ihn ausgesetzt hat: er hatte in einem Essayband auf ziemlich abgeschmackte Weise über 9/11 geschrieben. (Leider wird es dem Leser nicht erspart, all diese abgedroschenen Phrasen auch serviert zu bekommen).

Im Roman dauert es übrigens etwa 150 Seiten, bis man dann tatsächlich mit einem Toten konfrontiert wird - aber dies ist ja schließlich auch nicht im eigentlichen Sinne ein Krimi, sondern viel mehr eine Ansammlung von Verweisen, hauptsächlich natürlich auf frühere Werke von Adair.

Dabei hätten manche Anspielungen im Übrigen durchaus noch unterhaltsam und witzig sein können - wenn der Autor mir als Leser zugestanden hätte, sie selbst zu entdecken. Aber noch der kleinste Verweis wird ausführlich kommentiert, und das auf eine pseudowitzige Weise, die mir das Buch - und für eine Weile ziemlich sicher auch den Autor - wirklich verleidet hat. Nun bin ich allerdings ganz allgemein kein besonderer Freund der Postmoderne…

Gilbert Adair

Gilbert Adair wurde 1944 in Edinburgh geboren, lebte von 1968 bis 1980 in Paris und seither in London. Er ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Kolumnist und veröffentlichte u. a. die Romane „Blindband“, „Der Tod des Autors“, „Liebestod auf Long Island“, „Der Schlüssel zum Turm“ und „Träumer“.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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