Dick Francis - Abgebrüht

Originaltitel: Dead Heat
Krimi. Diogenes 2009
432 Seiten, ISBN: 3257066902

Max Moreton ist Koch. Sternekoch. Der jüngste, dem bislang in England ein Stern verliehen wurde. Er hat also einen Ruf zu verlieren. Und was er gar nicht brauchen kann, sind Gäste, die sich nach einem Essen von ihm im Krankenhaus mit Lebensmittelvergiftung wiederfinden. Doch genau das geschieht - ausgerechnet nach einem Galadiner, das er am Vorabend eines wichtigen Rennens bekocht hatte.

Da er auch selbst von der verdorbenen Speise gegessen hat, ist ihm alles andere als gut, als er sich zum nächsten Auftrag aufmacht - ein amerikanischer Landmaschinenhersteller hat in die beste Loge am Rennplatz eingeladen. Doch noch vor dem Ende des Rennens explodiert eine Bombe, der Max nur mit viel Glück und nur leichten Verletzungen entkommt.

Neben der Trauer um die Verstorbenen, dem Schock über das Gesehene, hat Max nun allerdings auch um sein berufliches Überleben zu kämpfen. Sein Restaurant wird wegen Kontaminierung geschlossen, eine Anzeige gegen ihn läuft. Und dann wird er auch noch von einer Frau auf Schadenersatz verklagt, da sie aufgrund des verdorbenen Essens enormen Verdienstausfall hatte.

Wenigstens in diesem einen Fall allerdings findet Max schon wenige Tage später es gar nicht so schlecht, dass der guten Dame schlecht war - denn er verliebt sich Hals über Kopf in die Musikerin.

Doch eines lässt ihm keine Ruhe: wie konnte sein Essen so viele Leute vergiften? Wer könnte ihm so übel wollen? Und bald hat er einen Verdacht, der selbst für ihn zwar weit hergeholt, aber als einziger plausibel klingt: wollte mit dieser Aktion jemand verhindern, dass bestimmte Gäste am Essen in der Loge am Tag danach teilnahmen?

Den Anfang dieses Romans fand ich wunderbar - so, wie ich Dick Francis kenne und seit Jahren schätze. Gute Unterhaltung, nette Charaktere, ein interessantes Ambiente für den Plot. Und dann sollte eigentlich die Überleitung zum "spannenden" Teil kommen - schließlich ist es doch immer noch ein Krimi. Diese Überleitung ist in meinen Augen allerdings diesmal ziemlich missglückt. Es zog und zog und zog sich, und was dann aus dem Hut gezaubert wurde, war nur mit viel gutem Willen einfach zu "glauben". Aber als er dann erstmal auf der Spur zur Lösung war, nahm der Roman wieder an Fahrt auf und hat doch noch zu einem der typischen, befriedigenden Abschlüsse geführt.

Es ist sicher bei weitem nicht der beste Band aus der Feder von Dick Francis - der diesmal seinen Sohn Felix, der ich wohl seit einigen Jahren (dem Tod seiner Frau Mary?) bei den Recherchearbeiten unterstützt, als Co-Autor mitgenannt haben wollte. Aber ich freue mich jedes mal wieder, wenn ich sehe, dass er trotz seines hohen Alters immer noch nicht aufgehört hat zu schreiben, und werde auch die nächsten Bände (die auf Englisch bereits erschienen sind) auf jeden Fall wieder lesen.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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