Richard Yates - Eine besondere Vorsehung

Originaltitel: A Special Providence
Roman. DVA 2008
360 Seiten, ISBN: 3421043310

Alice Prentice, die Bildhauerin - das ist das Bild, das Roberts Mutter von sich selbst hat. Und mit nichts kann man ihr eine größere Freude machen, als sie so zu bezeichnen. Von ihrem langweiligen Mann George hat sie sich früh getrennt; den Sohn Robert zieht sie nun alleine auf.

Der Leser lernt Alice und Robert kennen, als die Träume der Mutter schon einen kräftigen Dämpfer erfahren haben. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitet sie nun in einer Fabrik - statt weiterhin an ihren Plastiken zu arbeiten. Und Robert konnte seine teure Privatschule zwar noch abschließen, solange aber niemand die Schulgebühren bezahlt, wird er sein Zeugnis nicht erhalten. Doch da, wohin er nun unterwegs ist, würde ihm das Zeugnis ohnehin nichts nutzen: Robert hat sich freiwillig gemeldet, um im 2. Weltkrieg mitzukämpfen.

Nach einer erschreckend kurzen Ausbildungszeit werden sie nach Europa verschifft, um dann in Frankreich zu kämpfen. Robert, der sich schon während dieser Ausbildungsphase beständigem Spott und Hohn ausgesetzt sieht, findet ihm intellektuellen Quint so etwas wie einen Freund; die Anspannungen in der Phase ihres ersten Einsaztes bringen aber Zwistigkeiten in das Verhältnis, die sich auch danach nicht mehr bereinigen lassen.

Sehr eindrucksvoll schildert Yates hier die Erlebnisse eines jungen Mannes im Krieg - einem Krieg, von dem er wenig versteht. Der große Wunsch, sich als Held auszuzeichnen, geht nicht in Erfüllung - stattdessen muss er immer wieder die Erniedrigung in Kauf nehmen, seinen Aufgaben nicht gewachsen zu sein.

Doch während man bei Robert spürt, dass sich gegen Kriegsende die Chance auf eine realistischere Selbstwahrnehmung ergibt, bleibt Alice in ihren Träumen verhaftet.

Obwohl ich Kriegsschilderungen eigentlich nicht besonders gerne lese, haben mich diese sehr nüchternen Passagen sehr angesprochen. Yates gelingt es hier, die Faszination zu vermitteln, die das Soldatentum und der damit verbundene Heldenglanz auf junge Männer wie Robert ausüben kann. Wie lange dieser aber trotz aller Widrigkeiten in diesem Traum verharrt, wieviel es braucht, ihn mit der Realität zu konfrontieren, das fand ich sehr interessant.

Richard Yates

Richard Yates (* 3. Februar 1926 in Yonkers, New York; † 7. November 1992 in Birmingham, Alabama) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Essayist. Als Chronist der amerikanischen Vorstädte der fünfziger und sechziger Jahre machte er sich einen Namen. Seine Werke werden mit denen von J. D. Salinger, John Updike und John Cheever verglichen. In Deutschland wurde sein Werk Anfang des Jahrtausends vor allem durch Jonathan Franzen wieder bekannt, der sich wiederholt auf ihn bezog.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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