Val McDermid - Nacht unter Tag

Originaltitel: A Darker Domain
Krimi. Droemer 2009
539 Seiten, ISBN: 3426198444

Als ich im Klappentext las, dass dieser Krimi davon handeln soll, dass eine Tochter ihren Vater nach mehr als 20 Jahren vermisst meldet, hatte ich große Bedenken, dass dieser sehr konstruiert scheinende Einstieg einen spannenden Krimi bieten würde. Aber ich durfte sehr rasch feststellen: ich habe mich geirrt.

Ich war sehr schnell drin in dieser Geschichte, in der eine verzweifelte junge Frau versucht, ihren Vater zu finden, weil er der Einzige sein könnte, der als Spender für ihren schwerkranken Sohn in Frage kommt. Und nachdem mir in lebhaften Bilder gezeigt wurde, wie die Stimmung im Bergbaustädtchen zur Zeit des großen Streiks war, und wie sehr Streikbrecher verachtet wurden, konnte ich auch nachvollziehen, warum Mishas Mutter das Verschwinden ihres Mannes mit einer Reihe anderer Streikbrecher nicht noch zusätzlich thematisieren wollte.

Obwohl sie seit einiger Zeit die Leitung der Abteilung für nicht gelöste Fälle innehat, nimmt sich Karen Pirie dieses Rätsels an. Parallel dazu wird sie mit einem weiteren Fall betraut, in dem es überraschend zu neuen Erkenntnissen gekommen war: die Entführung von Catriona und Adam, Tochter und Enkelsohn des einflussreichen Sir Brodie. Catriona war bei der missglückten Lösegeldübergabe ums Leben gekommen - von Adam fehlte seither jede Spur. Ausgerechnet bei einem Urlaub in der Toscana war die Enthüllungsjournalistin Bel Richmond über ein Plakat gestolpert, in dem sie sofort die Vorlage für die damaligen Lösegeldforderungen erkannte.

Während Karen sich vordergründig um den Aufenthaltsort des verschwundenen Bergmanns kümmert, versucht Bel durch ihre Kontakte in Italien herauszufinden, was es mit den Plakaten auf sich hat. Bald macht sie eine überraschende Entdeckung…

Als Leserin hatte ich recht früh den Verdacht für die Lösung, die sich dann auch als richtig herausgestellt hat - aber wichtig ist ja nicht nur das wer, sondern auch das wie, insofern hatte mich das weniger gestört. Die Handlung pendelt zwischen Erzählung in der Gegenwart und recht ausführlichen Rückblenden hin und her; das war manchmal etwas zu aufgesetzt, andererseits war man beim Lesen dadurch auch rasch sehr involviert weil informiert.

Die Auflösung war dann entsprechend auch für meinen Geschmack ein wenig zu einfach; aber ich habe mich beim Lesen gut unterhalten und mich vor allem auch mit der Ermittlerin, Karen Pirie, rasch "angefreundet". Sie kam mir auch so seltsam bekannt vor… und ein kurzes Nachschlagen in einem der älteren Bücher hat das dann auch bestätigt: dies ist bereits der zweite Fall dieser Ermittlerin, der erste war "Echo einer Winternacht".

Val McDermid

Val McDermid, geb. 1955, wuchs in einem schottischen Bergbaugebiet auf und lebt heute in Manchester. Nach Jahren als Literaturdozentin in Oxford und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen widmet sie sich heute ganz der Schriftstellerei. Ihr Thriller "Das Lied der Sirenen" wurde 1995 mit dem Golden Dagger Award für den besten Kriminalfall des Jahres ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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