Ann Cleeves - Im kalten Licht des Frühlings (Shetland)

Originaltitel: Red Bones
Krimi. Rowohlt Verlag 2009
432 Seiten, ISBN: 3805208766

Whalsay ist eine der kleineren Shetlandinseln. So klein, dass Sandy Wilson darauf jeden Weg selbst im Schlaf erkennt. Und auch im Nebel angetrunken zum Hof seiner Eltern, nach Utra, zurückgehen kann, ohne sich zu verirren. Aber erst will er noch bei seiner Großmutter Mima vorbeischauen - sich einerseits ein wenig ausnüchtern, aber auch, weil sie um seinen Besuch gebeten hatte.

Doch ganz untypisch für seine Großmutter, lief zwar der Fernseher, von ihr war aber keine Spur im Haus zu finden. Dafür aber draußen im Garten - und ganz offensichtlich tot. Die Schüsse, die Sandy auf seinem Heimweg gehört hatte und die er einem Kaninchenjäger zugeschrieben hatte, bekommen plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

Ein schrecklicher Unfall, so lautet das allgemeine Urteil am nächsten Tag. Ronald, Sandys Kumpel aus Schultagen, ein entfernter Verwandter, kann sich zwar nicht erklären, wie er Mima getroffen haben soll, nimmt die Schuld jedoch sofort auf sich. Und schon könnte man die Sache zu den Akten legen - wenn da nicht Jimmy Perez wäre.

Irgendetwas gefällt dem Detective an dem Fall nicht. Auf Mimas Grundstück waren gerade archäologische Ausgrabungen im Gang, zwei junge Studentinnen wollten den Beweise dafür finden, dass im fünfzehnten Jahrhundert an dieser Stelle ein wichtiges Kaufmannshaus gestanden hatte, ein Bindeglied zur deutschen Hanse. Hattie, die sich diese Grabung als Promotionsthema ausgesucht hatte, und die lebenslustige Sophie hatten sich in den vergangenen Monaten mit Mima angefreundet.

Da Perez nicht offiziell ermitteln kann, überträgt er seinem sonst als so tolpatschigen Detective Sandy die Aufgabe, sich im Laufe seines Urlaubs informell ein wenig umzuhören. Und während Sandy noch damit kämpft, dass die Spuren, die er findet, auf seine eigene Familie zeigen, kommt es zum großen Finale....

Auch diesmal wieder habe ich mit viel Freude gelesen, wie die Autorin in ihre Krimihandlung einige interessante Details über Shetlands Geschichte mit einem Fall mischt, der lange Zeit auf der Stelle zu treten scheint.Statt wie bei den letzten 2 Fällen Jimmy Perez und seine Beziehung zu Fran Hunter sind zwar nach wie vor präsent, die Handlung kreist diesmal aber eher um Sandy Wilson, der bislang eigentlich eher für wenig Fingerspitzengefühl und Mut zum eigenständigen Denken benkannt war.

Interessant fand ich auch die Geschichten rund um die Verbindung der Shetlandinseln zum norwegischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg; insgesamt aber war für mich diesmal das Mordmotiv zwar logisch hergeleitet, aber zu wenig stark, um die Taten zu rechtfertigen...

Ann Cleeves

Nach Abbruch ihres Studiums arbeitete Ann Cleeves zwanzigjährig für 2 Jahre als Köchin auf der Vogelwarte auf Fair Isle. Danach arbeitete sie u a als Erzieherin und Bewährungshelferin, schrieb nebenbei Krimis. Erfolg hatte sie allerdings erst mit den Shetlandkrimis. Für Die Nacht der Raben erhielt Ann Cleeves 2006 den Duncan Lawrie Dagger Award, die weltweit wichtigste Auszeichnung für Kriminalliteratur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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