Jessica Durlacher - Schriftsteller!

Originaltitel: Schrijvers!
Roman. Diogenes 2009
114 Seiten, ISBN: 3257237847

Eigentlich läuft doch alles gut für Tirza Danz. Ihr erster Roman ist ein großer Erfolg geworden, ihr Mann, ebenfalls Schriftsteller, unterstützt sie, sie hat einen guten Verleger... Nur ein Problem bleibt übrig: es fällt ihr nichts mehr ein, was sie schreiben könnte.

Da hilft es auch nichts, dass sie bei einem Essen, das ihr Verleger organisiert hat, auf einen alten Freund trifft, der sie einst gemalt hatte - und dessen Lebensgefährtin ihr unumwunden zu verstehen gibt, dass sie sie als Schrifstellerin nicht ernst nimmt. Und der deutsche Autor, der zufällig ein in den Feuilletons hochgelobtes, jedoch wenig verkauftes Buch verfasst hatte, das auf Deutsch denselben Titel wie ihr Erfolgsroman trug, war ebenfalls nicht gerade aufbauend.

Voller Zweifel an der eigenen Kreativität unterrichtet Tirza weiter einen Kurs Kreatives Schreiben - und versucht dabei, die Tipps, die sie ihren Schülern gibt, selbst zu beherzigen. Doch fällt es ihr immer schwerer, den Unterricht zu gestalten, da ein aufsässiger, gewalttätiger Schüler alles unternimmt, Unruhe zu verbreiten.

Und dann sind da noch diese Emails ... Eine Interviewanfrage für eine deutsche Zeitschrift. Daran ist noch nichts ungewöhnliches - doch die Art und Weise, wie sich dieses Interview immer weiter und weiter nach hinten verschiebt, welche Informationen die Journalistin dabei über sich selbst preisgibt... Eigentlich hätte Tirza das stutzig werden lassen müssen...

Diese kurze Erzählung, die nur dank großer Schrift auf 114 Seiten aufgeblasen wurde, würde ich als nette kleine Fingerübung bezeichnen. Unschwer erkennt man in Tirza die Autorin selbst, deren Roman "Die Tochter" hier "Der Vater" heißt. Und dass ihr Angetrauter dann wohl Leon de Winter sein wird, ist auch klar. Ich habe mich durchaus dabei amüsiert, zu lesen, welche Nöte die Autorin in ihrem kreativen Prozess so plagen.
Amüsant auch die Schilderung des deutschen Autors, dessen Roman verboten wird, weil sich eine Exfreundin darin wiedererkennt - unschwer als Billers Ezra zu erkennen.

Wenn man dann noch feststellt, dass auch Maxim Biller 2001 einen Roman namens "Die Tochter" veröffentlicht hat, kann man sich unschwer denken, dass es hier tatsächlich einen gewissen Konflikt gab.

Unter diesem Aspekt (und weil ich selbst Biller überhaupt nicht mag) konnte ich mich über diese Erzählung durchaus amüsieren.

Jessica Durlacher

Jessica Durlacher wurde 1961 in Amsterdam geboren, hat als Literaturkritikerin für diverse Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann (Leon de Winter) und ihren zwei Kindern in Bloemendaal und Malibu.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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