Gilbert Adair - Ein stilvoller Mord in Elstree

Originaltitel: A Mysterious Affair of Style
Krimi. Heyne Verlag 2009
300 Seiten, ISBN: 345343370X

London im Jahr 1946. Eustace Trubshawe, pensionierter Inspektor von Scotland Yard, verschlägt es auf der Suche nach einem Tässchen Tee ausgerechnet ins beste Haus am Platz: ins Ritz. Niemals hätte er absichtlich ein so teures Etablissement aufgesucht; doch noch größer ist seine Verwunderung, als er im Teesalon auch noch auf eine alte Bekannte trifft, auf Evadne Mount, die bekannte Krimiautorin. Er hatte sie vor vielen Jahren im Rahmen seiner Ermittlungen kennen gelernt (niedergeschrieben im ersten Band der Reihe, "Mord auf Ffolkes Manor", den ich allerdings bislang noch nicht gelesen habe).

Da Trubshawe, seit einigen Jahren verwitwet, keine anderen Pläne hat, begleitet er Evadne zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung, die mit einem Krimisketch aus ihrer Feder eingeleitet wird. Dabei trifft er auch die Schauspielerin Cora Rutherford wieder, eine alte Freundin Evadnes, deren Ruhm den Zenit auch schon überschritten hat.

Mit der kleinen Rolle, die sie im nächsten Film von Alastair Farjeon, genannt Farch, ergattert hatte, erhoffte sie sich ein kleines Comeback. Doch nun war Farch tot! Es grenzt für sie an ein Wunder, dass der Film dann einige Wochen später trotzdem gedreht werden sollte - und voll Stolz lädt sie auch Evadne und Trubshawe zu den Dreharbeiten ein.

So werden die beiden dann Zeugen einer großartigen Szene der Schauspielkunst - und eines qualvollen Giftmords vor laufender Kamera...

Wie sich das für einen ordentlichen Krimi gehört, gelingt es natürlich der Krimiautorin und dem pensionierten Inspektor, den Fall zu lösen, die Polizei bleibt außen vor. Und ganz im Stil der gemütlichen alten Agatha-Christie-Krimis wird auch hier das Motiv zwar logisch, aber doch von weit her geleitet.

Für mich hatte dieses Buch dann auch seinen Reiz hauptsächlich aus den vielen Anspielungen und Zitaten gewonnen; auf Agatha Christie und Miss Marple natürlich (die aussieht wie Evadne, und dass Cora ausgerechnet Rutherford heißt, ist ja auch kein Zufall...). Hitchcock und seine Filme sind auch leicht zu erkennen, kurzum: es hat mich amüsiert, hier so vieles wieder zu erkennen und doch in neuer Rolle dargestellt zu finden.

Dieses Buch ist so schön unernst. Der Autor nimmt sich und die Handlung des eigenen, aber auch der ganzen Gattung, immer wieder selbst auf die Schippe, bleibt dabei aber sehr gemütlich im Bereich des gutmütigen Spottes, wird also nicht bösartig.
Entsprechend habe ich mich nett amüsiert, die Wortspiele genossen, und werde mir auch mit Band 1 und Band 3 sicher noch einen schönen gemütlichen Nachmittag machen. Fast ist man versucht, dazu wie Hattie das Strickzeug auszupacken...

Gilbert Adair

Gilbert Adair wurde 1944 in Edinburgh geboren, lebte von 1968 bis 1980 in Paris und seither in London. Er ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Kolumnist und veröffentlichte u. a. die Romane „Blindband“, „Der Tod des Autors“, „Liebestod auf Long Island“, „Der Schlüssel zum Turm“ und „Träumer“.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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