Ann Cleeves - Die Nacht der Raben (Shetland)

Originaltitel: Raven Black
Krimi. (englischsprachiger Verlag) 2006
320 Seiten, ISBN: 3499244772

Fran Hunter war mit ihrer Tochter Cassie nicht nur auf die Shetland-Inseln zurückgekehrt, um Cassie den Kontakt zu ihrem Vater Duncan zu ermöglichen, sondern auch, weil das Leben hier im Vergleich zu London so viel sicherer ist.

Als Malerin ist sie außerdem vom Licht und den Landschaften begeistert. Als sie Cassie am ersten Schultag im neuen Jahr zur Schule bringt, beobachtet sie drei Raben, die sich vom frisch gefallenen Schnee abheben. Und dazu einen knallroten Kontrast, der sich bei näherer Betrachtung als Schal herausstellt - am Hals der ganz offensichtlich ermordeten 16jährigen Catherine Ross.

In Ravenswick und Lerwick ist der Schuldige schon gefunden, bevor noch das Spezialistenteam aus Inverness überhaupt angereist ist: Magnus Tait, ein älterer, geistig zurückgebliebener Mann, in dessen Gesellschaft Catherine zuletzt gesehen worden war. Denn seit acht Jahre davor ein Kind, ein elfjähriges Mädchen, spurlos verschwunden war, konnte er sich nicht vom Verdacht befreien, sie getötet zu haben.

Jimmy Perez, der Detective vor Ort, hat allerdings so seine Zweifel. Denn im Gegensatz zum Kind damals war Catherine eine junge, starke Frau, die sich gewehrt haben würde.

Gemeinsam mit dem Team vom Festland versucht er daher, die Ermittlungen auch in andere Richtungen offen zu halten. Denn Catherine hatte so eine Art, ihre Umwelt zu provozieren, die ihr nicht nur Freunde eingebracht hatte. Und außerdem war sie als Außenseiterin - schließlich war sie nicht auf Shetland aufgewachsen - dabei, einen Film über die Inseln und ihre Bewohner zu drehen, der so einige in Erklärungsnöte bringen würde. Wenn er denn gefunden würde, denn vom Film waren keine Spuren mehr zu finden…

Abgesehen von einem spannenden Plot hat die Autorin es für mich geschafft, sehr glaubhafte und sympathische Figuren zu zeichnen. Jimmy Perez ist ein Polizist, der auf einer der abgelegensten Shetland-Inseln aufgewachsen ist, und sich nach der Scheidung von seiner Frau an diesen entlegenen Ort hatte versetzen lassen - nicht unbedingt ein großer Karrieresprung. Bei der ersten Gelegenheit wollte er denn auch auf seine Heimatinsel zurück, dort eine Farm übernehmen und die Familientradition fortsetzen. Dachte er zumindest - bis er nun diesen Fall übernahm.

Natürlich spielt die Landschaft, die Abgelegenheit der Inseln, die karge Landschaft, als Hintergrund eine Rolle. Die Nähe zum Öl hat das Leben hier verändert, es gibt Familien, die zu viel Geld gekommen sind. Die geringe Bevölkerungsdichte, die Tatsache, dass sich kaum etwas geheim halten lässt, macht mit einen Reiz des Geschehens aus. Und besonderen Augenmerk legt die Autorin auf die junge Generation und was es für ein junges Mädchen bedeutet, ohne nennenswerte gleichaltrige Gesellschaft auf dem Land zu leben.

Besonders gefallen hat mir, dass die Stimmung dennoch nicht von Düsternis geprägt ist. Klar, im Winter sind die Sonnenstunden begrenzt; doch die Schilderung dafür werden Parties gefeiert, und außerdem gibt es ja noch das traditionelle Up Helly Aa…

Gut und flüssig geschrieben, dazu Protagonisten, die nicht so düster und karg erscheinen wie die Landschaft - kurzum, ich habe mich hervorragend unterhalten!

Was ich der Autorin ebenfalls zu Gute halte: das Mordmotiv ist keine von weit hergeleitete Geschichte, sondern etwas sehr schlichtes und klares und damit auf befriedigende Weise plausibel.

Ann Cleeves

Nach Abbruch ihres Studiums arbeitete Ann Cleeves zwanzigjährig für 2 Jahre als Köchin auf der Vogelwarte auf Fair Isle. Danach arbeitete sie u a als Erzieherin und Bewährungshelferin, schrieb nebenbei Krimis. Erfolg hatte sie allerdings erst mit den Shetlandkrimis. Für Die Nacht der Raben erhielt Ann Cleeves 2006 den Duncan Lawrie Dagger Award, die weltweit wichtigste Auszeichnung für Kriminalliteratur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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