Stefan Mani - Das Schiff

Originaltitel: Skipid
Roman. Ullstein Verlag 2008
368 Seiten, ISBN: 3550087403

Die "Per se" ist ein Frachtschiff, unterwegs von Island nach Surinam. Eine Routinefahrt, eigentlich - doch die Reederei hat den Frachtvertrag gekündigt, den neun Mann Besatzung droht die Arbeitslosigkeit. Bis auf den Kapitän weiß das keiner offiziell; doch die Information ist durchgesickert, und fünf Mann wollen dieses Schicksal nicht so einfach hinnehmen.

Dabei ist die Situation auf dieser Fahrt auch ohne diese Komplikation schon gespannt genug; für den Kapitän ist es die letzte Fahrt, er will den Beruf an den Nagel hängen. Der erste Steuermann ist ein Fanatiker, der auch den Widerstand organisieren will. Saeli hat hohe Spielschulden und hat keine andere Wahl als heiße Ware zurück nach Island zu schmuggeln. Jonas hat kurz vor der Abfahrt seine Frau umgebracht; und statt seines Schwagers, der gerade angeheuert hatte, findet sich plötzlich der König der isländischen Unterwelt an Bord ein, der nur als ?Satan? bekannt ist.

Jeder trägt also sein Geheimnis mit sich herum und hat ein ganz eigenes Interesse daran, dass der normale Ablauf der Fahrt gestört wird - und so findet sich die Per Se in einem aufziehenden Unwetter ohne moderne Navigationshilfen und ohne Verbindung zur Außenwelt wieder?

Der Roman beginnt mit kurzen Abschnitten, in denen die einzelnen Protagonisten eingeführt werden. Dabei springt die Handlung nicht nur in der Erzählperspektive sondern auch in der Zeit hin und her - so dass man bald errät, in welcher Verbindung die Figuren sich zueinander verhalten. Ist halt doch eine kleine Insel?

Und es deutet sich schon an, was mich dann dazu bewogen hat, das Buch nur noch quer zu lesen: es ist kein gewöhnlicher Krimi oder Thriller, sondern eher ein Horrorroman. In dem ?Das Böse? eine ganz besondere Rolle spielt.

Abgesehen davon, dass ich den Roman von Beginn an als ungemein brutal empfand, hat mich dann auch diese Entwicklung abgeschreckt. Einfach nicht mein Genre und mein Interessensbereich. Dabei kann ich dem Autor nicht absprechen, dass er es versteht, eine Atmosphäre aufzubauen.

Wirklich beurteilen kann ich den Roman also nicht, nur feststellen, dass er für andere Leser als mich geschrieben wurde.

Stefan Mani

Stefán Máni wurde 1970 in Reykjavík geboren. Aufgewachsen ist er in Ólafsvík in West Island. Bevor er mit dem Schreiben begann, arbeitete er als Gärtner, Tischler und Buchbinder, in der Fischindustrie und auch als Sozialarbeiter mit Jugendlichen und in psychiatrischen Kliniken. Das Schiff ist sein siebter Roman.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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