Benedict Wells - Becks letzter Sommer

Originaltitel:
Roman. Diogenes 2008
464 Seiten, ISBN: 3257066767

Robert Beck unterrichtet Musik und Deutsch an der Schule, an der schon sein Vater als Lehrer tätig war. Er ist 37, lebt in einer chic aber unpersönlich eingerichteten Wohnung, fährt ein silberfarbenes Cabrio, hat keine Beziehung und eigentlich nur einen echten Freund. Vor allem aber hat Beck vor vielen Jahren seinen Traum aufgegeben, ein Musiker zu werden, den einen wunderbaren Song zu schreiben, an den die Welt sich erinnern wird, und sich stattdessen in einem langweiligen Dasein als Lehrer eingerichtet.

Bis er dann durch Zufall feststellt, dass einer seiner Schüler, der Litauer Rauli, eine Art musikalisches Wunderkind ist. Beck beginnt, Rauli zu fördern - und das heißt auch, sich in die verrückte Welt des Jungen hineinziehen zu lassen, der unversehens mit einer Pistole aufkreuzt und auch sonst einige seltsame Angewohnheiten zeigt.

Außerdem macht sich ganz nebenbei auch die Affäre mit Lara in seinem Leben mehr Platz, als Beck es sich eingestehen will.

Und so, nach einer verrückten Zeit, einem Sommer voller Arbeit, Hoffnung und Träumen, steht Beck ganz unverhofft noch einmal an einem Punkt, an dem er sein Leben vom Abstellgleis wieder zurück in einen aufregenderen Fahrplan bringen kann - doch ob das auch gelingt?

Im Klappentext ist vor allem die Rede von der verrückten Fahrt quer durch Europa, die Beck mit Rauli und Charlie unternimmt - diese Fahrt findet allerdings eher am Ende des Buches statt und hätte mich an sich fast davon abgehalten, diesen Roman zu lesen. Roadnovels (kann man es so bezeichnen? Als Gegenstück zum Roadmovie?) haben mich noch nie sonderlich interessiert. Und hätte ich nicht in einem der TINTENFÄSSER von Diogenes das erste Kapitel des Romans gelesen, dann hätte ich mich mit diesem Roman bestimmt nicht beschäftigt.

Aber so habe ich mich über weite Strecken hineinziehen lassen in eine gar nicht so verrückte Geschichte um eine Handvoll Menschen, die versuchen, ihre Träume und den Alltag unter einen Hut zu bringen. Und dabei noch, so wie Beck, nach Jahren der selbstgewählten Isolation auf einmal wieder merken, wie wichtig andere Leute im eigenen Leben werden können.

Dass es für mich dabei dann an der Erzählperspektive (der Autor schaltet sich immer wieder als Figur selbst ins Geschehen ein etc) noch ein paar Haken zu finden waren, ich auch sprachlich nicht immer ganz glücklich war mit dem Gelesenen, hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, die Geschichte zu genießen.

Benedict Wells

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin, wo er derzeit lebt

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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