Liza Marklund - Lebenslänglich

Originaltitel: Livstid
Krimi. Rowohlt Verlag 2008
496 Seiten, ISBN: 3463405172

Dieser Fall schließt unmittelbar an den letzten Krimi der Autorin, "Nobels Testament" an. Dieser hatte damit geendet, dass Annika Bengtson von ihrem Mann Thomas verlassen wurde - und nur wenige Stunden später gerade noch die Kinder und sich selbst aus dem brennenden Haus retten konnte.

Zu ihrer Überraschung sieht sie sich plötzlich selbst als Hauptverdächtige und verzweifelt bemüht, ihre Unschuld zu beweisen. Vielleicht spricht sie deshalb der Fall Lindholm so sehr an? Denn auch hier scheint alles klar zu sein: Julia Lindholm wurde verstört am Tatort aufgefunden. Und ihr Mann, der bekannte und hochgeachtete Polizist David Lindholm, war mit ihrer Dienstwaffe erschossen worden. Dass Julia zuletzt unter schweren psychischen Störungen litt, wird ihr noch erschwerend zur Last gelegt.

Während die Zeitungen das Loblied auf David Lindholm singen und die Verurteilung Julias schon vorwegnehmen, erinnert sich Annika daran, dass sie vor vielen Jahren eine Nacht lang mit Julia und ihrer besten Freundin Nina Streife gefahren war. Damals waren sowohl Julia als auch sie selbst gerade schwanger gewesen; und in dieser Nacht hatte Annika ein etwas anderes Bild von David Lindholm vermittelt bekommen, als es die Medien vermittelten.

Doch als Annika ihrem Chefredakteur vorschlägt, doch auch das Vorleben des Opfers ein wenig zu durchleuchten, wird sie abgebügelt - in Zeiten schnellen Onlinejournalismus ist für gründliche Recherche nur noch wenig Zeit, und objektive Berichterstattung oder gar die Befolgung einer Leitlinie scheint nicht mehr angesagt zu sein. Dazu kommt, dass der Redaktion drastische Personalkürzungen bevorstehen.

Da Annika nun, nach der Trennung, die Betreuung der Kinder abwechselnd mit ihrem Noch-Ehemann vornimmt, stürzt sie sich gerade in den kinderfreien Wochen geradezu in die Arbeit. Einige Gespräche mit Nina und intensive Quellenforschung lassen sie feststellen, dass der Saubermann Lindholm in Dinge verwickelt war, die seinem Image auch posthum noch sehr schaden könnten. Und dass er sich auf diesem Weg ganz offensichtlich Feinde gemacht hat…

Auch wenn der Abschluss des Romans für mich mal wieder - wie bei fast allen Krimis - zu actionlastig war, habe ich diesen Band doch voller Spannung und Interesse durchgelesen. Die Handlung ist gut aufgebaut, logisch begründet, dazu gibt es noch genug nette Nebengeschichten die das Privatleben der Protagonisten weiter vorantreiben - kurzum: ich habe mich wunderbar amüsiert.

Klar, wenn man es kritisch betrachtet, gibt es eine Menge Klischees, die hier verwendet werden: die gutaussehende neue Freundin des Noch-Ehemanns, die sich dafür als viel weniger interessante Gesprächspartnerin (und Haushälterin) erweist und nach einer Weile ebenfalls nicht mehr laufend Lust auf Sex hat; die Bürozicke, die aus unerfindlichen Gründen zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt wird und sich mit ihren Forderungen selbst blamiert usw.

Aber im Gegensatz zu den Nobel-Morden konnte ich über Kleinigkeiten dieser Art diesmal problemlos hinwegsehen, im Gegenteil, gerade die Betriebsratsgeschichte hat mich auch sehr amüsiert. Und das Ende ist wieder ein Cliff-Hanger - ich bleibe also auf die Fortsetzung gespannt…

Liza Marklund

Liza Marklund, Jahrgang 1962, arbeitete lange als Journalistin für verschiedene Zeitungen und Fernsehsender, bevor sie begann, Romane zu schreiben.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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