Barbara Bronnen - Liebe bis in den Tod

Originaltitel: Liebe bis in den Tod
Roman. Arche Literaturverlag 2008
224 Seiten, ISBN: 3716023809

Bei ihrer Hochzeit hatten sie sich gegenseitig versprochen, ein Leben lang füreinander da zu sein. Doch wie lange dieses Leben sein sollte, darüber macht man sich erst dann Gedanken, wenn man dieses Leben nicht mehr erträgt. Emanuel Forster hatte seiner seit vielen Jahren schwerkranken Frau verprochen, ihren Todeswunsch zu erfüllen.Danach, so der Plan, sollte er sich selbst töten - doch dazu fehlte ihm die Kraft. War das nun Tötung auf Verlangen? Mord? Totschlag? Den Motiven für diese Tat spürt Richter Anselm Joos in seinem letzten Verfahren nach - und rührt dabei auch an eine große Wunde in seiner eigenen Vergangenheit.

Emanuel Richter kehrt danach nach Hause zurück, in das Heim, in dem er so viele Jahre mit seiner Frau, mit den Kindern gelebt hat. Er muss nun leben mit seiner Tat; muss sich auseinandersetzen mit den Anklagen der Tochter, mit den Blicken und Reaktionen der Nachbarn.

In wechselnden Erinnerungsbildern - mal Emanuel Richters Rückblicke, dann die Fragen und Überlegungen des Richters, die Fragen der Tochter - wird hier ein facettenreiches Bild gezeigt einer Beziehung, die durch den Schmerz geprägt und verändert wurde.

Die große Verbundenheit und Liebe, die Emanuel mit seiner Frau erlebte, war brüchiger geworden im Laufe der Jahre. Wenn einer immer leidet, der andere Mit-Leidet, dann verschiebt sich die Gewichtung in einer Beziehung; die Abhängigkeiten die daraus entstehen, aber auch der verborgene, kurzzeitig aufflammende Hass und die dazugehörigen Schuldgefühle haben ihren Platz in diesem Buch.

Die Frage, die immer wieder gestellt wird, lautet auch: war es wirklich notwendig? Hätte es für seine Frau nicht noch einen anderen Ausweg gegeben, hätte man nicht andere Schritte ergreifen können? Schon vor langer Zeit die Behandlung ändern, zum Beispiel?

Und was wird nach so einer Tat aus den Überlebenden, was hätte man der Tochter zugemutet, wenn ohne Abschiedsbrief beide Eltern nun tot wären? Wie muss sie jetzt damit fertig werden, dass ihr eigener Vater die Mutter getötet hat?

Vor allem aber bleibt die moralische Frage bestehen: hat man das Recht, das Leben eines anderen Menschen zu beenden, auch wenn dieser es wünscht?

Es sind viele aktuelle und wichtige Fragen, die sich bei der Lektüre dieses Romans stellen - und ich bin froh darüber, dass die Autorin sie nicht beantwortet hat. Kritisch beleuchtet sie auch das egoistische Motiv, das ebenso in dieser Hilfe zum Selbstmord enthalten ist. Weniger überzeugt hat mich dann der zweite Handlungsstrang, in dem Joos sich an den Tod seines damals gerade achtjährigen Jungen zuückerinnert.

Für Leser mit Interessse an der Thematik Sterbehilfe auf jeden Fall lesenswert!

Barbara Bronnen

in Berlin geboren, lebt seit 1957 in München, wo sie Germanistik und Philosohpie studierte. Seit 1970 freie Schriftstellerin. Umfangreiches Werk, Romane sowie Essays und Features.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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