Meg Gardiner - Die Beichte

Originaltitel: The Dirty Secrets Club
Krimi. Heyne Verlag 2008
496 Seiten, ISBN: 3453265939

Auf den ersten Blick erschien der Fall sonnenklar: Selbstmord. Eine junge, erfolgreiche Staatsanwältin war mit ihrem teuren, schnellen Auto mit Vollgas auf die Brückenabsperrung zugerast. Aber kurz davor war der Wagen einem Polizisten aufgefallen, der die viel zu schnelle Fahrt verfolgt hatte - und da gab es ein paar kleine Szenen, die nicht zum Bild passten. Warum wollte die Beifahrerin aussteigen? Und warum hatte ausgerechnet die Fahrerin, die doch jederzeit anhalten hätte können, den Polizisten kurz vor dem finalen Durchtritt des Gaspedals flehentlich angesehen und ganz deutlich ein "Bitte" übermittelt?

Es sind genau solche Fälle, zu denen forensische Psychologen hinzugezogen werden. Sie versuchen aus den letzten Wochen der Toten deren Seelenzustand zu rekonstruieren, um die Motivation für den Selbstmord - so es denn einer ist - herauszufinden.

Doch ist es in diesem Fall tatsächlich Selbstmord? Als Jo Beckett den Tatort betritt, wird ihr auch noch von einem ähnlichen Fall berichtet, der sich nur 48 Stunden davor ereignet hatte. Außerdem gibt es ein paar merkwürdige Details: mit Lippenstift war auf dem Körper der Toten das Wort "schmutzig" geschrieben. Und in irgendetwas schmutziges scheint diese junge, ehrgeizige Frau auch verwickelt gewesen zu sein - jedenfalls stößt Jo schon bald auf einen "Club der schmutzigen Geheimnisse".

Um darin Mitglied zu werden, muss man - nachdem man überhaupt erst einmal eingeladen wurde - das tun, was man ja eigentlich nicht will. Nämlich ein wohlgehütetes Geheimnis, oft genug schwere Gesetzesverstöße, beichten - und auch noch beweisen, dass man sich hier nicht mit fremden Federn schmückt, also auch noch Beweise dafür beibringen. Es sind vor allem die Reichen und Schönen der Stadt, die diesen Nervenkitzel gesucht haben - und nun stirbt alle 48 Stunden eines der Mitglieder…

Auch wenn ich die Existenz eines forensischen Psychologen erstmal per google bestätigt haben wollte, so seltsam erschien mir das Betätigungsfeld, war die Idee hinter diesem Buch doch sehr ansprechend: schließlich kann man sich den Kitzel, der darin besteht, mit der eigenen Angst zu spielen, die Möglichkeit zu haben, dunkle Geheimnisse endlich ans Licht gelangen zu lassen, durchaus vorstellen. Was die ursprüngliche Faszination des Clubs ausmachte, trägt als Handlungsebene auch sehr weit in diesem Roman; dass dann auch noch Jo und ihre Vergangenheit persönlich involviert werden, zählt zu den Punkten, die ich persönlich weniger schätze. Auch sonst gab es einige kleinere Ungereimtheiten; aber es ist ein gut geschriebener, flüssig zu lesender Unterhaltungsroman.

Meg Gardiner

Meg Gardiner wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder im kalifornischen Santa Barbara auf. Nach dem Abschluss des Jurastudiums an der Stanford Law School praktizierte sie zunächst als Anwältin, bevor sie ihren Beruf aufgab und nach England übersiedelte. Dort begann sie zu schreiben und veröffentlichte im Jahr 2002 ihr Romandebüt. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nahe London.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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