Stefan Rehberger - Träum weiter

Originaltitel: Träum weiter
Roman. Rowohlt Verlag 2008
320 Seiten, ISBN: 3871345997

Der erste Gedanke, den Roman nach der Ankündigung seiner noch recht frischen Freundin Patricia von der Schwangerschaft hatte, war: 'jetzt brauchen wir ein Auto'. Denn wenn man schon plötzlich erwachsen werden muss, eine Familie gründet, dann gehören dazu auch die Dinge, die man von Kind auf mit Erwachsensein in Verbindung gebracht hatte - und für Roman war das eben unter anderem ein Auto.

Dass die beruflich sehr viel erfolgreichere Patricia ausgerechnet mit ihm zusammen sein will, bleibt für Roman immer ein kleines Rätsel. Dass sie beide das Kind behalten wollen, dass er dann am besten auch gleich zu ihr zieht und, weil er weniger verdient, dann die Kinderbetreuung übernehmen wird, während sie ihre Karriere weiter ausbaut, ist auch sehr schnell entschieden.

Dass allerdings Romans Vater auch immer weiter abbaut, und ausgerechnet unmittelbar vor der Geburt des Kindes einen Schlaganfall hat und damit vereitelt, dass Roman überhaupt bei der Geburt dabei sein kann, das war vorher nicht planbar.

Und so sieht der bislang so freie Mann sich auf einmal mit der Verantwortung für Kind und Vater konfrontiert - ganz zu schweigen davon, dass seine Beziehung zu Patricia durch die Geburt auch nicht einfacher wird. Zumal Patricias Exfreund noch einen viel zu großen Anteil an ihrem Leben nimmt, wie er findet…

"Träum weiter" ist sicher kein großer literarischer Wurf; dass der Autor eigentlich Drehbuchschreiber ist, merkt man dem Buch an. Was durchaus positiv ist: die Spannungsbögen sind gut aufgebaut, Pointen und nachdenklichere Passagen wechseln sich ausgewogen ab, gerade die Dialoge sind wunderbar treffend, und überhaupt kann man sich die geschilderten Szenen alle sehr lebhaft vorstellen.

Natürlich habe ich das Buch (auch) deshalb gelesen, weil es einfach gut in meine derzeitige Lebensphase passt. Und da sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Protagonisten vorhanden sind (das Kind zur selben Jahreszeit geboren, das fiktive Paar wohnt sogar in der Querstraße, ich kenne das Altersheim, in dem der Vater untergebracht wird…) fand ich mich einfach an sehr vielen Stellen wieder. Und wenn man sich hier auf den Straßen so umsieht, dann findet man sicher nicht nur einen Roman Walter.

Genau das hat das Buch für mich auch so liebenswert gemacht: es ist gut beobachtet, pointiert geschrieben - und sicher nicht nur für frischgebackene Eltern amüsant zu lesen.

Stefan Rehberger

Stefan Rehberger, geboren 1972, lebt in Berlin und arbeitet für GZSZ.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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