Paul Torday - Lachsfischen im Jemen

Originaltitel: Salmonfishing in the Yemen
Roman. Berlin Verlag 2007
318 Seiten, ISBN: 3833305517

Als Alfred Jones, seines Zeichens Fischereiexperte, die Anfrage erhielt, ob er eine Machbarkeitsstudie über Lachsfischerei im Jemen machen könne, handelte er, wie es wohl jedem nur zu verständlich erscheint: er mokierte sich über die Absurdität der Anfrage - und beantwortete sie nicht einmal. Dass die Angelegenheit damit noch längst nicht erledigt war, ja, dass sich plötzlich sogar der Premierminister für das Projekt interessierte, erschien Alfred nur immer noch absurder, doch da er nur die Wahl hatte zwischen Jobverlust und Kooperation, fand er sich dann im Büro von Harriet Chatwode-Talbot wieder, die für Scheich Muhammed dieses Projekt zu bearbeiten hatte.

Ehe er sich versah, fand Alfred sich wieder, als er ernsthaft zu prüfen begann, welche Schritte eingeleitet werden müssten, um dieses Projekt umsetzen zu können - er, der Wissenschaftler, dessen beruflicher Höhepunkt bislang ein veröffentlichter Aufsatz über die Köcherfliege war…

Aus Tagebucheinträgen von Alfred Jones, aus dem Mailwechsel zwischen ihm und seiner Frau Mary, und aus den Briefen Harriets an ihren Verlobten erfährt der Leser, wie das Projekt langsam tatsächlich Gestalt annimmt - und welche absurden Vorschläge aus Downingstreet Nr.10 kommen, die es selbstverständlich zu beachten gilt. Denn ein Projekt mit einem arabischen Land, das nicht von Waffeneinsatz geprägt ist, verspricht eine ganz eigene Publicity.

Natürlich wird im Buch auch in einem Nebenstrang die Intervention im arabischen Raum mit Waffengewalt thematisiert, außerdem spielt Al Quaida eine Rolle, es gibt gescheiterte Ehen und erste Lieben; alles in allem vielleicht ein paar zu viele Schauplätze, ein paar Wendungen, die sich in meinen Augen nicht so recht einpassen in den Rest des Buches: sie sind zu stark überzeichnet, haben nicht die Leichtigkeit und den wunderbaren ironischen Tonfall der gelungeneren Teile.

Denn Spaß hat man an vielen Stellen in diesem Roman. Schon alleine die Emailkorrespondenz zwischen Fred und seinem Vorgesetzten ist köstlich, weil wunderbar aus dem Alltag gegriffen. Auch sonst sind viele kleine Eitelkeiten und Befindlichkeiten sehr treffend geschildert.

Stilistisch hat der Roman mich an David Lodge erinnert; auch hier werden die verschiedenen Erzählperspektiven durch Briefe, Emails etc. dargestellt.

Zwar empfand ich einige der Nebenschauplätze als überflüssig, doch mit der Grundidee, nämlich das völlig absurde Projekt Lachsfischen im Jemen, hat der Autor mich auf grandiose Weise unterhalten und auch dazu gebracht, wieder einmal zu überdenken, wieviel Macht die Vorstellungskraft besitzt.

Paul Torday

Paul Torday, geboren 1946, lehrte Englische Literatur am Pembroke College in Oxford. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne aus einer ersten Ehe und zwei Stiefsöhne. Seit mehr als fünfzehn Jahren ist er begeisterter Lachsfischer, und weil er in der Grafschaft Northumberland, ganz in der Nähe des wilden Flusses North Tyne wohnt, hat er auch ausreichend Gelegenheit, seiner Passion nachzugehen

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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