Ken Follett - Die Tore der Welt

Originaltitel: World Without End
Historischer Roman. (englischsprachiger Verlag) 2008
1200 Seiten, ISBN: 0330490702

Die Handlung spielt wie der erste Teil „Die Säulen der Erde“ in der fiktiven Stadt Kingsbridge in der Mitte des 14 Jahrhunderts. Nach dem Bau der Kathedrale im ersten Buch hat sich diese in den 200 Jahren zu einer mittelalterlichen Großstadt entwickelt, deren Entwicklung durch die feudale Herrschaft des Klosters behindert wird.

Die Geschichte beginnt mit dem Zusammenbruch der alten Brücke während des jährlichen Wollmarkts, der wirtschaftlichen Haupteinnahmenquelle von Kingsbridge. Hauptfiguren sind Charis, die Tochter eines wohlhabenden Händlers, und Merthin, Sohn eines verarmten Ritter und Baumeister. Weitere Personen sind Gwen (Bauernstand), Ralf (Adel) und Godwyn (Klerus), die die Abbildung mittelalterlicher Gesellschaftsstrukturen komplettieren und eigene Handlungsstränge bilden.

Merthin wird als Baumeister beauftragt eine neue Brücke zu errichten, während Charis im wesentlichen das väterliche Geschäft führt. Eine Intrige ihre Neider, angeführt von Merthins Lehrherrn (zugleich Schwager von Charis), verhindert ihre Heirat. Charis kann ihr Leben nur durch den Eintritt ins Kloster retten. Merthin geht ins Ausland und lässt sich in Florenz nieder.

Der zweite Teil des Buches steht ganz im Zeichen der Pest. Merthin, in Florenz wirtschaftlich erfolgreich, verliert fast seine gesamte Familie an die Pest und kehrt nach Kingsbridge zurück. Wenig später erreicht die Pest auch Kingsbridge. Gemeinsam mit Charis, inzwischen im Kloster aufgestiegen, nimmt er den Kampf gegen die Pest auf.

Charis und Merthin sind die positven Helden dieses Buches; Godwyn - der Prior des Klosters - ist ihr Gegenspieler. Ken Follet zeichnet die Hauptcharaktere des Buches ganz in schwarz und weiß. Er erlaubt dabei keine Grautöne. Eher gilt das Gegenteil: Charis wird eher weißer als weiß dargestellt.

Während die Geschichte um Charis, Merthin und Godwyn eher voraussehbar abläuft, ist für mich die Nebenhandlung um Gwen und Ralf das eigentliche Highlight des Buches. Gwens Geschichte handelt entsprechend ihres gesellschaftlichen Standes vom täglichen Kampf ums Überleben, während Ralf, der die Privilegien seines Standes missbraucht, der Bösewicht ist. Ken Follet zeichnet auch hier Charaktere in Schwarz-Weiß. Gut und Böse sind auch hier klar verteilt, aber es entwickelt sich eine Geschichte, die Themen des Mittelalters wie Feudalherrschaft, Rechtlosigkeit der Bauern und Einfluss der Pest auf die mittelalterliche Gesellschaft etwas detaillierter schildert. Kurz gesagt es kommt wenigstens etwas Mittelalter-Feeling auf.

Mit seinem Vorgänger die „Säulen der Erde“ hat Roman hat Ken Follet für mich neben „Der Medicus“ von Noah Gordon die Ära der historischen Romane eingeläutet; umso schwerer ist es natürlich eine bessere Fortsetzung zu schreiben.

Neben Vorhersehbarkeit des Ausgangs der Geschichte, den zu einfach gezeichneten, zum Teil aus dem ersten Teil recycelten Charakteren, ist es ein leidlich unterhaltender aber kein spannender Roman.

Ken Follett

Ken Follett wurde am 5. Juni 1949 in Cardiff, Wales geboren. Der britische Schriftsteller wurde mit seinem Thriller "Die Nadel" bekannt; Weltruhm erlangte er mit seinem historischen Roman "Die Säulen der Erde". Er lebt mit seiner zweiten Frau, Barbara Follet, in London und Hertfordshire

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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