Douglas Preston - Credo. Das letzte Geheimnis

Originaltitel: Blasphemy
Krimi. Droemer 2008
624 Seiten, ISBN: 3426197987

Vierzig Milliarden Dollar hat der amerikanische Senat in das Projekt gesteckt, einen Teilchenbeschleuniger zu bauen, mit dem der Urknall nachgestellt werden kann. Ein Dutzend handverlesener Wissenschaftler arbeitet an diesem Projekt, allen voran der Nobelpreisträger Hazelius. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet - aber die Maschine, "Isabella" genannt, ist nach wie vor nicht in Betrieb, auch wenn die Wissenschaftler nach außen hin nichts von einem Problem wissen wollen.

Um herauszufinden, was hier verheimlicht wird, wird der Privatdetektiv Wyman Ford in das Team eingeschleust - offiziell, um als Kontaktmann zu den Navajos zu fungieren, die sich immer mehr dagegen wehren, dass dieses Projekt auf ihrem Land erbaut wurde. Dass ihre Stammesführung dafür von Washington mit viel Geld gewonnen wurde, interessiert die Menschen nicht, die tatsächlich auf diesem Land leben.

Und weil der Lobbyist Craven, der den Deal zwischen Navajos und Washington eingefädelt hatte, erfährt, dass seine Dienste nicht länger in Anspruch genommen werden, aktiviert er einen der Fernsehprediger, in seinen Ansprachen gegen diese Blasphemie zu wettern, die das Nachempfinden der Schöpfung, des "Urknalls", in christlichen-konservativen Kreisen darstellt. Danach, so spekuliert Craven, wird sein Honorar sich vervielfachen.

Doch wie so oft: die Dinge geraten außer Kontrolle.

Als Ford durch die stellvertretende Leiterin des Projekts Isabella, seine frühere Freundin Kate, erfährt, was die ordentliche Inbetriebnahme bislang aufgehalten hat, meldet er das nicht wie vereinbart nach Washington weiter. Zu seltsam erscheint ihm das geschilderte Phänomen: dass nämlich, wenn Isabella auf 100 % Leistung läuft, ein unidentifizierbares Etwas Nachrichten schickt. Und sich selbst als Gott bezeichnet…

Ich hatte gerade im Spiegel einen Artikel gelesen, in dem die Inbetriebnahme des größten Teilchenbeschleunigers der Welt im schweizerischen Cern beschrieben wird. Entsprechend spannend fand ich gerade zu Beginn dieses Romans die Schilderungen der hier gebauten Maschine, die Erkenntnisse, die man zu erlangen gedachte. Die Tatsache, dass jeder dieser hochbrillanten Wissenschaftler dennoch nur einen Teilbereich des benötigten Wissens beherrscht, das nötig ist, um den Beschleuniger zu bauen und in Betrieb zu nehmen - all das fand ich sehr faszinierend. Und dass dann die Angst groß ist, als in diesem hochkomplexen, abgesicherten und durchaus auch gefährlichen Bereich ein Fehler gefunden wird, der darauf hindeutet, dass ein Hacker sich eingeschlichen hat, war für mich absolut nachvollziehbar.

Auch die politischen Rangeleien im Hintergrund hatten durchaus noch ihren Reiz, bis hin zu den hier in Europa sicher noch mit sehr viel mehr Skepsis betrachteten Fernseh-Gemeinden von fundamentalen Christen. Ab etwa der Hälfte, als die Geschehnisse endgültig außer Kontrolle geraten und unerwarteter Widerstand gegen Isabella sich formiert, hat das Buch für mich aber zunehmend an Reiz verloren. Für mich gab es dann zu viel Action, als Kinothriller hätte ich mir das noch durchaus vorstellen können, als Roman hat es mich nicht angesprochen.

Dass die Wissenschaftler in ihrem letzten, abgeschirmten Durchlauf mit Isabella dann tatsächlich ein Gespräch mit Gott führen, und was eigentlich hinter diesem esoterischen Geschreibe stand, das trat immer mehr in den Hintergrund und wurde dann am Ende ziemlich unspektakulär aufgelöst.

Wobei relativierend festzustellen wäre, dass meine Probleme mit diesen sehr auf Effekte und dramatische Szenen, die schon wie für die Verfilmung zurechtgeschrieben wirken, sicher auch daran liegen, dass ich auf solche Darstellungen in Romanen einfach keine Lust habe, ich lese es nicht gerne. Fans des Genres werden das bestimmt ganz anders bewerten - ich ziehe in so einem Fall dann wohl doch die Verfilmung vor. Den Teil des Romans jedoch, in dem beschrieben wird, wie eine solche Maschine arbeitet, welche Dimensionen das einnimt, welche Ergebnisse davon erhofft werden - das fand ich sehr faszinierend..

Douglas Preston

Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge (Massachusetts) geboren. Er studierte Mathematik, verschiedene Naturwissenschaften und englische Literatur. Nach dem Examen arbeitete er beim American Museum of Natural History in New York, bevor er 1986 begann, sich als Sachbuchautor einen Nmen zu machen. Sein großer Durchbruch gelang 1990 mit dem Weltbestseller "Relic", den er mit Lincoln Child schrieb. Diesem Erfolg folgten bislang 12 Gemeinschaftsproduktionen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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