Valerio Varesi - Lichtspiele. Commissario Soneri geht ins Kino

Originaltitel: Il cineclub del mistero
Krimi. Rowohlt Verlag 2008
284 Seiten, ISBN: 3499239515

Alles sah nach einem natürlichen Tod aus. Als wäre Palmieri einfach nach der Kinovorstellung noch kurz sitzen geblieben und dann einem Herzinfarkt erlegen. Dass Commissario Soneri trotzdem einen Verdacht hegt, hängt am sprichwörtlichen Faden: ein winziges, chlorgetränktes Fädchen an Palmieris Oberlippe. Zufälligerweise mit Chlorophorm getränkt. Und kurz danach steht auch fest, dass Palmieri einem ziemlich raffinierten Mordanschlag zum Opfer gefallen ist.

Mit den restlichen Ermittlungen kommt Sonieri bei weitem nicht so schnell voran. Palmieri war Mitglied in einem seltsamen Club von Cineasten und Hobbydetektiven; deren Hauptzeitvertreib ist es, sich Kriminalfälle auszudenken, sie zu inszenieren und den anderen zu Lösung vorzulegen.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit: bei realen Morden macht man immer einen Fehler…

So verzwickt Soneri der Fall auch anfangs erscheint, mit der tatkräftigen Unterstützung seiner langjährigen Geliebten (und Rechtsanwältin) Angela dröselt er langsam die Fäden auf und entdeckt ein sehr starkes Mordmotiv…

Man merkt, dass dieser vorliegende Band der Reihe im Original bereits 2002 erschienen ist - vor den von mir mit deutlich größerer Begeisterung gelesenen wir zum Beispiel "Der Schatten des Montelupo". Dieser vorliegende Band gehört für mich wieder zu den schwächeren in dieser Reihe. Die Handlung tritt ewig lange auf der Stelle, die Ermittlungen beschränken sich auf permanente Kinobesuche und lange Mahlzeiten mit einem Antiquar, und auch das Verhältnis zu Angela wird wieder sehr derb und dadurch auch unglaubwürdig geschildert. Also weder wirklich spannende Krimihandlung noch gut erzählte Weiterentwicklung des persönlichen Hintergrunds des Ermittlers - da hoffe ich auf eine bessere Fortsetzung.

Was allerdings sehr positiv zu vermerken ist, ist die Grundidee: ein Mord in einer Menschengruppe, die sich hobbymäßig damit beschäftigen, den perfekten Mord zu erfinden, und am liebsten Krimis lesen oder im Kino sehen. Wenn das den gemeinen Krimileser nicht anspricht…

Valerio Varesi

Valerio Varesi wurde 1959 in Turin geboren. Er studierte Philosophie in Bologna, bevor er sich dem Journalismus verschrieb. Er arbeitete unter anderem für die bekannte Zeitung „La Repubblica“.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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