Roberto Cotroneo - Diese Liebe

Originaltitel: Questo Amore
Roman. Insel Verlag 2008
159 Seiten, ISBN: 3458174036

Edo und ich hatten keine gemeinsamen Städte. Wir waren kein Paar, das große Reisen unternahm. Wir ahtten die Buchhandlung. Die Buchhandlung war eine stetige Resie, eine Reise, die wir manchmal gemeinsam machten und manchmal getrennt.


Zehn Jahre nach der Hochzeit steht Edo eines Morgens auf und erinnert sich an nichts mehr. Nicht an so profane Dinge wie die Stufe, die zum Zimmer der Kinder führt - noch daran, dass er überhaupt Kinder hat, zwei Töchter.

Besorgt fährt Anna mit ihm nach Rom, um ihn von einem Spezialisten untersuchen zu lassen. Doch am Morgen vor der Untersuchung verschwindet Edo spurlos.

Die Hoffnung, ihn wiederzusehen, verliert sie allerdings nie. Sie wartet - auch wenn das auf zunehmendes Unverständnis in ihrer Umgebung stößt. Ihre Tochter hätte gerne einen Ort, an dem sie trauern kann, nicht diese Ungewissheit; und sollte sie sich nicht lieber frei machen, vielleicht nochmal eine neue Liebe finden, diesen Teil ihres Lebens abschließen?

Doch sie fühlt sich ihm weiterhin verbunden und nah…

Erzählt wird diese Geschicht dem Leser in Erinnerungsfragmenten; mal aus der Zeit ihres Kennenlernens, dann wieder aus der Zeit ihrer Ehe. Verbindungselement sind immer wieder Gedichte; Edo war ein leidenschaftlicher Leser, verstand es auch, andere mit sseiner Begeisterung für Poesie anzustecken. Im Text selbst sind die Quellen der zitierten Verse meist nicht genannt, doch im Anhang findet sich ein ausführliches Register. (Manchmal beschlich mich bei dieser Lektüre das Gefühl, der Autor wolle ein wenig mit seinen Lyrikkenntnissen protzen.)

"Bis man zum Schluss merkt, dass eine ganz andere Geschichte dahinter steckt" - so lautet der Schlusssatz des Klappentextes. Und tatsächlich wird dann am Ende alles aus einer ganz anderen Perspektive dargestellt; eine Entwicklung, die ich irgendwie geahnt, oder sagen wir besser befürchtet hatte.

Dass mich die fragmentarische Erzählweise, die sehr poetische Ausdrucksweise und die für mich zu süßliche Darstellung dieser Liebesgeschichte nicht überzeugt hatten, liegt sicher auch an meinem Hang zu klaren Strrukturen. Doch das hätte ich dennoch mit Abstrichen akzeptieren können - die entscheidende Wendung am Ende des Romans aber hat für mich das, was gut war an diesem Buch, ziemlich zunichte gemacht. Schade.

Roberto Cotroneo

geb. 1961, ist für den Kulturteil der renommierten Wochenzeitschrift L´Espresso zuständig und als unbarmherziger Kulturkritiker gefürchtet. Sein Roman "Die verlorene Partitur" ist 1997 erschienen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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