Daniel Kehlmann - Mahlers Zeit

Originaltitel: Mahlers Zeit
Roman. Suhrkamp Verlag 1999
160 Seiten, ISBN: 3518397389

Seit vielen Jahren grübelt der Physiker David Mahler über den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, über die Frage, ob die Richtung der Zeit wirklich unumstößlich und linear verläuft. Im Traum erscheint ihm dann eine Lösung, die alles bisher gedachte auf den Kopf stellt - aber diese Erkenntnis, so erlebt er es, ist gefährlich. Es gibt Mächte, die daran interessiert sind, diese Erkenntnis nicht Raum greifen zu lassen, zu stark sind die potentiellen Auswirkungen. Schon seit seiner Kindheit fühlt Mahler, dass er zu etwas berufen ist, dass er sich in Acht nehmen muss, weil das, wozu er fähig ist, nicht ungefährlich ist.

Er schreibt sie nieder, die vier Formeln, die den Lauf der Zeit umdrehen können. Und findet dafür keine Zuhörer. Einen gibt es, davon ist er überzeugt: wenn Valentinov, der Nobelpreisträger, die Formeln sehen würde, dann, ja dann … was dann?

Aber Valentinov zu erreichen gestaltet sich schwierig. Und in der Zwischenzeit mehren sich die unwirklichen Vorfälle, die die Frage offen lassen: ist Mahler nun ein Genie - oder ein Wahnsinniger?

Um es ganz kurz zu sagen: ich konnte leider mit diesem frühen Buch des Erfolgsautors wenig bis besser gesagt gar nichts anfangen. Den Ansatz, den Lauf der Zeit aufzuheben, das auch in der Erzählform umzusetzen, fand ich vielversprechend. Aber leider wurde diese Idee nicht in einer Weise weitergeführt, die für mich nachvollziehbar und interessant geblieben wäre. Schon sehr früh hatten mich dieser Mahler mit seiner wirren Argumentation sehr genervt; lesenswert empfand ich eigentlich nur die Passagen, die die nicht-wissenschaftliche Entwicklung Mahlers zeigen, also seine Kindheit, die seltsame Freundschaft, die ihn mit einem Schriftsteller verbindet.

Im Prinzip bleiben für mich derzeit von Kehlmann zwei Bücher, die ich wirklich von Anfang bis Ende gerne gelesen habe und die mir auch länger als bis kurz nach der Lektüre im Gedächtnis geblieben sind: "Ich und Kaminski" sowie natürlich "Die Vermessung der Welt".

Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann, geboren 1975 in München, lebt in Wien und studierte dort Philosophie und Literaturwissenschaft.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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