Mit achtzehn hätte er ein Dichter sein können. Jetzt ist er kein Dichter, kein Schriftsteller, kein Künstler. Er ist Programmierer in einer Welt, in der es keine dreißigjährigen Programmierer gibt. Mit dreißig ist man zu alt zum Programmieren: man wird dann etwas anderes - irgendein Geschäftsmann - oder man erschießt sich.
John war voller Pläne nach London gekommen. Literatur wollte er studieren, Gedichte schreiben, Schriftsteller werden. Diese Stadt würde aus ihm einen Dichter machen, davon war er überzeugt.
Mit wenig Geld versucht er sich durchzuschlagen, besucht begeistert die Bibliotheken, isst nur, was aus billigsten Konserven herzustellen ist. Und vereinsamt mehr und mehr, denn in dieser Stadt gibt es für ihn keine Kontakte, kein Lächeln, keine Gespräche.
John hatte eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie ein Schriftsteller zu sein hat, wie er zu leben hat; aufregend, mit vielen Frauenkontakten, ein Bohemien möchte er sein. Nur dann, so glaubt er, kann er auch wirklich schreiben.
Stattdessen wird er Programmierer bei IBM; kein Beruf, den er mit Leidenschaft ausübt, im Gegenteil. Aber dass er dann kündigt, noch dazu mit der Begründung, keine Freunde gefunden zu haben, weckt zum ersten Mal das Interesse seiner Mitmenschen an ihm.
Dieser autobiographisch gefärbte Roman des südafrikanischen Autors zeichnet sich nicht unbedingt durch eine besonders literarische Sprache aus. Manche Passagen sind quälend langweilig zu lesen - aber es gibt etwas darin, ein Tonfall, der mich sehr angesprochen hat.
Coetzee schreibt hier aus der Perspektive eines Menschen, der nicht in der Lage ist, sich auf andere Menschen wirklich einzulassen. Die Frauengeschichten, die er dann doch hat, lassen ihn im Prinzip ziemlich unberührt, als eine seiner Freundinnen eine Abtreibung vornimmt, verspürt er nur eine vage Erleichterung.
Dabei möchte er eigentlich ein anderer sein, ein Künstler, und für ihn ist dieses Künstlerdasein nicht durch den unbedingten Drang, etwas zu Schaffen definiert, sondern durch das Leben, das man dabei führt. Eine pubertäre Einstellung, passend zum Alter des Protagonisten. Man merkt an mancher Stelle in meinen Augen auch die Distanz, die der dann doch schon deutlich ältere Autor zu seinem jugendlichen Alter Ego verspürt.
Auch wenn ich von Coetzee schon bedeutend bessere Bücher gelesen habe, hat mich die Traurigkeit und Einsamkeit in diesem Text sehr angesprochen.