Alain Monnier - Unser zweites Leben

Originaltitel: Notre seconde vie
Roman. Ullstein Verlag 2008
400 Seiten, ISBN: 3550086539

Isidore ist schon lange dabei und hat sich als Isidro einen Namen gemacht - Edwige hat sich den Schirm erst jetzt, nach langem Zögern installieren lassen und beginnt als Neuling die Welt zu erforschen, die kurz nur als UZL bekannt ist - Unser Zweites Leben. In diesem zweiten Leben ist es endlich möglich, dass der arthritisgeplagte Isidore leichtfüßig daherschreitet, und die stark übergewichtige Edwige wird zur schmalhüftigen Eva.

Schein ist alles in dieser Parallelwelt; es gilt, Zuseher zu finden, die sich für einen interessieren, damit man genügend Punkte erhält, um wiederum kleine Extras kaufen zu können: einen besonderen Hüftschwung, einen umwerfenden Augenaufschlag - und das alles nur, um wiederum die Zuschauer zu faszinieren. Und natürlich die Mitspieler.

Allerdings ist auch diese zweite Welt nicht ohne Gefahren - Eifersucht spielt hier genauso eine Rolle wie sonst auch, und Neid und Missgunst wurden ebenfalls nicht abgeschafft. Es gibt bereits Bewegungen, die eine weitere, eine bessere Welt bereitstellen wollen - so, wie es ursprünglich ja auch die Intention war, als UZL erfunden wurde. Arbeit hatten nur noch wenige, die Versorgung eines jeden war sichergestellt - aber wie sollten die Menschen sich beschäftigen, ohne damit die wertvollen Energie- und Platzresourcen zu beeinträchtigen? Sie in einer virtuellen Welt agieren zu lassen erschien die beste Lösung…

Es gibt einen Teil an diesem Roman, der mir ausgesprochen gut gefallen hat - die Grundidee, warum die Menschen sich mehr und mehr in die virtuellen Welten zurückziehen und die realen Kontakte immer mehr vernachlässigen. Wie wunderbar, statt einer Diät eben einen schlanken neuen Avatar auszusuchen, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch die Organisation, die hinter diesem zweiten Leben steht, und die Regeln, die dazu definiert werden müssen - all das hat mich fasziniert.

Aber leider entwickelt sich die erzählte Geschichte dann immer mehr zu einer recht banalen Beziehungsgeschichte mit platten Handlungsverlauf, der mich zunehmend gelangweilt hat.

Für die Idee jedoch hat der Autor seine drei Sterne verdient!

Alain Monnier

Alain Monnier, geboren 1954, ist promovierter Ingenieur auf dem Gebiet der Solar-Energie und arbeitet, wenn er nicht schreibt, für die Entwicklung un dVertreitung neuer Technologien. In seinen zahlreichen literarischen Veröffentlichungen geht es ihm um das Spiel mit den Zwängen unseres vertrackten Alltags, wobei er mit seinen Geschichten genau in den Bereich vorzustoßen versucht, in dem unser Menschsein sich zwischen Normalität und Niedertracht bewegt. Alain Monnier lebt in Toulouse.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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