Julie Parsons - Marys Schatten

Originaltitel: I Saw You
Krimi. Droemer 2008
400 Seiten, ISBN: 3426195836

Eigentlich hatte sich Michael McLoughlin für den Zeitpunkt nach seiner Pensionierung schon darauf gefreut, Yachten zu überstellen, an mondäne Orte zu segeln… aber weil sich sein erster Einsatz verschiebt, lässt er sich dann doch breitschlagen, für eine sehr traurige Frau Ermittlungen anzustellen. Ihre Tochter wurde vor kurzem tot aufgefunden, Selbstmord, hieß es - doch das ist etwas, was Sarah nicht glauben kann. Zu viele Kleinigkeiten sprechen aus ihrer Sicht dagegen.

Und bald schon stößt auch Michael bei seinen Nachforschungen auf Details, die ihn stutzig machen. Warum war Marina überhaupt auf der Party ihres Stiefbruders, wenn die beiden sich doch angeblich überhaupt nicht verstanden hatten? Was war in den letzten Monaten mit Marina vorgefallen, was hatte die lebenslustige Frau so verändert? "Ich habe dich gesehen" - diese Nachricht findet Michael immer wieder bei Marinas Sachen, aber die Auflösung dazu fehlt ihm.

Bis er sich nicht nur in die verzwickten Familien- und Erbverhältnisse eingeabeitet hat, sondern auch von dem Skandal in der Privatschule erfährt, in den sowohl Marina als auch ihr Stiefbruder und noch ein paar Freunde verwickelt waren - von denen in letzter Zeit auch überraschend viele eines Unfalltodes gestorben waren…

Vanessa, Marinas jüngere Schwester, freundet sich indessen mit einer Frau an, die vor einigen Jahren ebenfalls einen großen Verlust erlitten hat - ihre Tochter wurde grausam ermordet. Und als Vanessa ausgerechnet an ihrem 18. Geburtstag verschwindet, läuten bei ihr sämtliche Alarmglocken…

Es gibt zu diesem Roman, was ich vor der Lektüre nicht wusste, einen Vorläufer - "Mary, Mary". Der im letzten Absatz kurz erwähnte Handlungsstrang hängt damit sehr wesentlich zusammen - schließlich kommt Margaret Mitchell wieder nach Irland zurück, um sich ihrer Schuld zu stellen, endlich Frieden zu schließen - womit sie allerdings auch, was sie nicht wissen kann, den frisch pensionierten Polizisten Michael ziemlich in Bedrängnis bringen könnte.

Es war mein zweiter Versuch mit dieser ansonsten ja für ihre Spannungskrimis hochgelobten Autorin - aber bei mir ist der Funke nicht übergesprungen. Ich hatte - unwissend, dass bereits ein Vorgängerband existiert - immer nach der Verbindung zwischen den beiden Handlungssträngen gesucht, nach der tieferen Bedeutung, weil mir das, was mir geboten wurde, einfach zu wenig erschien.

Und mein Urteil wäre wahrscheinlich auch besser ausgefallen, wenn die Autorin diese Verknüpfung mit Margaret Mitchell (dieser Name dann auch noch! Sollte ich beim Lesen an Scarlett erinnert werden?) weggelassen hätte und sich auf die Geschichte mit dem vermeintlichen Selbstmord konzentriert hätte. Da waren nämlich durchaus einige spannende Ansätze dabei, auch wenn die Ausarbeitung viele Klischees enthält.

Julie Parsons

Julie Parsons, 1951 als Tochter irischer Eltern in Neuseeland geboren, lebt mit ihrer Familie in Dun Laoghaire bei Dublin. Seit ihrem internationalen Senkrechtstart mit dem Psychothriller "Mary, Mary" ist sie eine der erfolgreichsten Autorinnen von subtilen Spannungsromanen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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