Stieg Larsson - Vergebung

Originaltitel: Luftslottet som sprängdes
Krimi. Heyne Verlag 2008
848 Seiten, ISBN: 3453013808

Diesen dritten - und unvorhergesehenerweise letzten - Band der Reihe kann man nicht lesen, ohne davor "Verdammnis" gelesen zu haben, zu unmittelbar schließt dieser Band daran an, und zu viel Informationen aus den beiden Vorgängerbänden werden benötigt, um der Handlung dieses Buches folgen zu können.

Lisbeth Salander liegt schwerverletzt in einem Krankenhaus in der Nähe von Göteborg; nur wenige Zimmer neben ihr liegt ihr Vater, von ihr schwer verwundet - und schuld an ihrem derzeitigen Zustand. Nun wird ihr nicht mehr nur der Doppelmord zur Last gelegt, sondern auch versuchter Mord an ihrem Vater, der mit einer sehr plausiblen Geschichte aufzuwarten hat - und außerdem darauf vertraut, dass das altbekannte Team auch diesmal wieder für Ordnung sorgt und seine Angelegenheiten erledigt.

Denn diesmal geht es darum, die letzten Details aus Lisbeth Salanders Vergangenheit aufzuklären - und dazu gehört vor allem die Geschichte ihres Vaters, der zur Zeit des kalten Krieges aus der UdSSR nach Schweden geflüchtet war, hier Asyl beantragt hatte und, als Informant heiß begehrt, ein umfassendes Schutzprogramm nutzen konnte.

Der ehemalige Killer nutzte diesen Umstand dann auch weidlich aus - aber es gab da ja immer noch dieses Spezialeinheit innerhalb des schwedischen Geheimdienstes, der eigentlich niemandem untersteht, von dessen Existenz kaum jemand weiß - und der auch jetzt dafür sorgt, dass die alten Geschehnisse nicht aufgeklärt werden.

Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit - Mikael Blomkvist sucht von außen, und Lisbeth unterstützt ihn mit heimlich zusammengetragenem Material, so gut es ihr aus dem Krankenhausbett eben möglich ist…

Mich hat an diesem Band vor allem interessiert, wie ein Rechtsstaat wie Schweden aufgebaut ist, und mit welchen Mechanismen man versucht, sich nach außen hin zu schützen - und wie gerade die Tatsache, dass manche Informationen so gefährlich sind, dass sie nicht für jedermann zugänglich sein dürfen, auch dafür sorgen kann, dass ein rechtsfreier Raum entsteht.

Dabei wird man als Leser aber auch von allerlei Nebengeschichten geradezu erschlagen - Erika Berger zum Beispiel hat das Angebot erhalten, einen Chefredakteursposten bei Schwedens angesehenster Tageszeitung zu übernehmen. Ein ungeheuer prestigeträchtiger Posten, dazu auch eine persönliche Herausforderung. Doch es gibt jemanden, der ihr diese Position nicht gönnt, der ihr Stein um Stein in den Weg legt und sie schließlich auch bedroht.

Oder die kleine Liebesgeschichte, die Mikael beginnt.

Und so weiter - kein Wunder, dass dieser Roman über 800 Seiten dick ist. Man hätte getrost mehrere Bände aus all dem Stoff machen können; manchmal hat mich diese Fülle auch sehr ermüdet.

Dennoch - ich habe auch diesen leider letzten Band mit sehr großem Vergnügen gelesen und mir dazu sogar eine Nacht um die Ohren geschlagen…

Stieg Larsson

Stieg Larsson war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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