Stieg Larsson - Verdammnis

Originaltitel: Flickan som lekte med elden
Krimi. Heyne Verlag 2007
752 Seiten, ISBN: 3453013603

Dieser zweite Band von geplanten 10 des leider zu früh verstorbenen Autors Stieg Larsson setzt zwei Jahre nach dem Ende des ersten Bandes, "Verblendung", ein.

Lisbeth Salander ist nun sehr vermögend; als sie Mikael bei seinem Kampf gegen Wennerström unterstützt hatte und dafür gesorgt hatte, dass letzterer ruiniert wurde, hatte sie auch dessen Privatkonten aufgespürt und umgewidmet. Ihr Geld hatte sie nun dazu genutzt, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen und sich eine neue Wohnung in Stockholm zu kaufen. Mit Mikael Blomkvist hatte sie seither keinen Kontakt mehr - zu sehr schmerzte sie immer noch die Erinnerung daran, wie sie ihn in inniger Zweisamkeit mit seiner langjährigen Freundin Erika Berger getroffen hatte - ein Schmerz, der, wie sie sich eingestehen musste, wohl Liebeskummer war.

Trotz der langen Zeit hatte Mikael seine Versuche nicht aufgegeben, sie zu kontaktieren. Für ihn war sie eine besondere Freundin, die er schätzen gelernt hatte - und zu akzeptieren, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, ohne zu wissen warum, fiel ihm schwer.

Außerdem fehlten ihm natürlich auch ihre hervorragenden Recherchefähigkeiten, die er gerade im Moment gut nutzen könnte - denn ein Journalist, Dag Svensson war mit brisantem Material an ihn als Herausgeber des "Millenium" herangetreten: Prostitution und Mädchenhandel in Schweden, offiziell nicht erlaubt und verurteilt, in Wirklichkeit aber von hochrangigen schwedischen Politikern auch selbst in Anspruch genommen.

Eigentlich war es ein Zufall, dass Lisbeth routinemäßig Mikaels Festplatte checkte und dabei über Dag Svenssons Bericht stolperte. Als sie darin aber zwei Namen fand, die sie nur zu gut kannte, beschloss sie, zu handeln - und Dag und seine Freundin zu besuchen.

Mikael hatte kurz vorher einen Anruf von Dag erhalten, wollte noch etwas abholen - doch als er bei ihm eintraf, fand er nur noch zwei Leichen vor.

Die Polizei fand kurz darauf eine Pistole, eilig weggeworfen, übersät mit Lisbeths Fingerabdrücken - eine Verdächtige war also gefunden. Umso mehr, als kurz darauf auch noch ihr Betreuer, Nils Bjurman, tot aufgefunden wird - getötet mit derselben Waffe.

Für den ermittelnden Staatsanwalt ist die Sachlage klar - man ist auf der Suche nach einer als gefährlich eingestuften jungen Frau. Für Mikael sieht die Sachlage anders aus - an einen Mord von Lisbeths Hand glaubt er nicht, und auch sonst stimmen für ihn viele Fakten nicht überein. Also beginnt er auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen…

Dieser zweite Band fängt sehr sehr sehr gemächlich an. In aller Ausführlichkeit wird man als Leser mit der neuen Lisbeth bekannt gemacht, die langsam, aber sicher beginnt, sich mit ihrem Sozialverhalten auseinander zu setzen, die wieder Kontakt mit einer früheren Liebhaberin aufnimmt, ihren ehemaligen Chef aufsucht und dabei auch erfährt, dass ihr früherer Betreuer nicht, wie sie dachte, verstorben war, sondern sich nur mühsam von seinem Schlaganfall erholte.

Auch die Recherchen, die Dag zum Thema Prostitution und Mädchenhandel angestellt hatte waren jetzt nicht so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand hätte legen können. Eigentlich beginnt der Roman erst dann so richtig, nachdem die Morde geschehen sind und, dank Lisbeths Verwicklung, die Frage nach ihrer Vergangenheit laut wird.

Und da kommen in diesem Buch dann Fakten zu Tage, die den Leser staunen lassen, welche perfiden Methoden es gibt, wenn man ganz legal einen Menschen zum Schweigen verdammen will - aus welchem Grund auch immer.

Das Finale dieses Bandes hat dann zwar Ähnlichkeiten mit einer Szene aus "Kill Bill" - da wird derart übermenschlich gekämpft, dass es zwar für einen Actionfilm getaugt hätte, mich in diesem Krimi aber eher amüsiert hat ob der Unglaubwürdigkeit. Dennoch - es endet mit einem Cliffhanger, der mich unmittelbar danach zum dritten Band der Reihe hat greifen lassen…

Stieg Larsson

Stieg Larsson war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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