Liza Marklund - Nobels Testament

Originaltitel: Pirat Förlaget
Krimi. Hoffmann & Campe 2007
447 Seiten, ISBN: 3455400450

Die jährlichen Berichte von der Verleihung der Nobelpreise beschränken sich normalerweise auf wenig sensationelle Berichte über die Farbe der Ballkleider und die Temperatur des servierten Essens.

Für eine Journalistin wie Annika Benktzon ist es daher ein besonderes Drama, als bei dieser Nobelpreisverleihung ein Mord geschieht, dem sie als unmittelbare Augenzeugin beiwohnt - und dann nicht darüber berichten darf. Beruflich schadet ihr diese Nachrichtensperre enorm - da hilft es auch nicht, dass sie sich sofort daran macht, Hintergrundinformationen über das Mordopfer, die Vorsitzende des Nobelkommittees, zusammenzutragen.

Für die Polizei und die Allgemeinheit ist nämlich gar nicht diese Frau das Opfer, sondern der jüdische Nobelpreisträger, mit dem sie getanzt hatte, und der nur leicht verletzt wurde. Aber Annika weiß es besser - schließlich hatte sie den Blick der sterbenden Frau gesehen und darin gelesen, dass sie auf diesen Tod vorbereitet war, dass es da ein Geheimnis gab, das es zu lüften galt.

Doch erstmal wird Annika für ein halbes Jahr von ihrem Job freigestellt - keine Ermittlungen also von ihrer Seite. Statt dessen Konzentration auf ihre Kinder, auf die Ehe, die mehr schlecht als recht weiterläuft. Auf den Umzug in die Villa im Vorort, die sie sich nach ihrem Gewinn plötzlich leisten konnten, und die Konfrontation mit den Nachbarn dort.

Aber über diesen Umweg kommt sie auch wieder mit dem Nobelmord in Berührung - denn eine ihrer Nachbarinnen arbeitet als Forscherin und erzählt Annika einiges aus ihrem beruflichen Umfeld, nimmt sie auch mit ins Labor.

Und dann gibt es plötzlich ein weiteres Mordopfer - einen Professor, mit dem Annika sich gerade noch unterhalten hatte, und dessen unverständliche Anschuldigungen ihr Interesse geweckt hatten…

Der eigentliche Kriminalfall erscheint einem, gerade wenn man versucht, die Handlung des Romans nachzuerzählen ohne zu viel vom Inhalt zu verraten, als sehr arg konstruiert. Vor allem die Verwicklung der Journalistin in diesen Fall wird arg hingebastelt - aber dafür habe ich mich mit dem Privatleben der jungen Frau gerne auseinander gesetzt. Auch die Details, die sie zum Thema Datenschutz und Terrorangst in den Roman einbindet, haben mich interessiert. Das Problem ist nur: es fügt sich alles nicht so recht zu einem wirklich stimmigen Krimi zusammen.

Dieses Buch liest sich nett, auch die Passagen über das Leben von Alfred Nobel waren informativ, aber sowohl Motiv als auch Ausführung durch eine Auftragskillerin (so viel darf man verraten, ihr begegnet der Leser gleich zu Beginn) haben bei mir zum Teil eher das Gefühl unfreiwilliger Komik hervorgerufen. Insgesamt für mich eine durchaus annehmbare, aber nicht begeisternde Lektüre.

Liza Marklund

Liza Marklund, Jahrgang 1962, arbeitete lange als Journalistin für verschiedene Zeitungen und Fernsehsender, bevor sie begann, Romane zu schreiben.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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