Nick Hornby - Slam

Originaltitel: Slam
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2008
341 Seiten, ISBN: 014132449X

Sam ist ein ganz durchschnittlicher britischer Jugendlicher. Zu Beginn des Romans ist er fünfzehn, verbringt seine Freizeit auf dem Skateboard, wendet sich mit Fragen an das Poster eines Skateidols in seinem Zimmer, und ist noch relativ beziehungsunerfahren.

Das ändert sich, als er ausgerechnet durch seine Mutter Alicia kennen lernt - ein bildhübsches Mädchen, das ihn normalerweise nicht einmal angesehen hätte. Sehr rasch wird aus den beiden ein Paar, und sehr rasch schlafen sie auch miteinander. Verhütung? Natürlich denken sie an Verhütung! Es gibt nur dieses eine Mal, bei dem Sam etwas Unbehagen empfindet…

Und dieses Unbehagen hatte er nicht ohne Grund, wie sich herausstellt. Zu einem Zeitpunkt herausstellt, zu dem es eigentlich schon keine Beziehung mehr gibt, weil Sam sie hat auslaufen lassen - zu langweilig geworden. Und Alicica will das Kind behalten…

Mit dieser Vorgeschichte, natürlich noch angereichert durch die Details zu Sams Familie - Sams Eltern hatten ihn ebenfalls im Teenageralter bekommen - nimmt etwas mehr als die Hälfte des Romans ein. Danach erst beginnen die eigentlichen Schwierigkeiten, die es bedeutet, so jung Eltern zu werden.

Zu Beginn empfand ich die Erzählerstimme, diesen Jugendlichen, der etwas umständlich immer wieder seine Vergleiche zum Skateboarden zieht und außerdem auch alles immer sehr deutlich erklären muss, als durchaus angemessen. Im weiteren Verlauf des Buches aber, als der Protagonist ganz offensichtlich lernen muss, mehr Verantwortung zu tragen, und man ihm dies auch abnimmt, passt der Tonfall nicht mehr so gut.

Außerdem sind etliche Handlungen - wie zum Beispiel das Ausreißen nach Hastings - dabei, die man in der durchgeführten Art eher von einem zehnjährigen erwarten würde.

Aber besonders schade fand ich, dass der Autor sein eigentliches Thema, nämlich diese Teenagerschwangerschaft und das Elterndasein als so junges Paar, dann nur noch sehr vage abarbeitet. Da wird mit abstrusen Vorblenden in die Zukunft gearbeitet, bei denen dann Sam tollpatischig durch die Szene stolpert, nicht einmal wissend, wie sein Sohn denn nun eigentlich heißt, geschweige denn, wie man Windeln wechselt - ein Stilmittel, das mich beim Lesen richtiggehend geärgert hat.

Interessanter war da schon Sams Beziehung zu seiner Mutter, die damals ihre Schulausbildung nicht zu Ende machen konnte, die sich dann später, mit Kind, noch auf eine Ausbildung gestürzt hat und manchmal sogar denkt, dass dieses frühe Kind sie auch zielgerichteter hat werden lassen. Der ewige Streit zwischen seinen Eltern, auch jetzt noch, nachdem sie schon so lange getrennt sind, wird ebenso thematisiert und als Grundlage für ein eventuell besseres eigenes Verhalten angeboten.

Alles in allem habe ich diesen Roman aber nicht so ungern gelesen. Ich empfand es eher als Jugendlektüre, kein Roman für Erwachsene - dafür war mir vieles zu wenig subtil. Aber gerade der Beginn, die Schilderung dieser ersten Beziehung aus der Perspektive des Jugendlichen, hat mich schon sehr angesprochen. Dass der Autor dann sein eigentliches Thema in meinen Augen verschenkt und zu wenig daraus macht, viel zu schwammig und oberflächlich bleibt, als es drauf ankommt - das ist eine andere Geschichte.

Nick Hornby

Nick Hornby wurde 1957 geboren und lebt mir seiner Frau und seinem Sohn im Norden Londons. Er studierte in Cambridge und arbeitete als Lehrer, ehe er sich nach dem Erfolg von "Fever Pitch" in England ganz dem Schreiben widmen konnte. Hornby schreibt regelmäß9g für Sunday Times, Time Out, Times Literary Supplement.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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