Andreas Franz - Spiel der Teufel

Originaltitel: Spiel der Teufel
Krimi. Knaur Verlag 2008
479 Seiten, ISBN: 342666299X

Als Sören Henning und Lisa Santos vom Tod ihres Kollegen und Freundes Gerd Wegner erfahren, sind sie geschockt - und fassungslos und ungläubig, als ihnen mitgeteilt wird, er hätte Selbstmord begangen. Einen Grund dafür hatte er sicherlich - seine fünfjährige Tochter war erst vor 2 Monaten von einem Betrunkenen überfahren worden, ein Schlag, den er kaum verwinden konnte.

Aber Nina, Wegners Frau, ist überzeugt davon: das kann kein Selbstmord sein. Dafür kennt sie ihren Mann zu gut - und die Neuigkeit, die sie Sören und Lisa unterbreitet, unterstützt ihre These noch: sie ist schwanger. Hätte Gerd seine Frau in dieser Situation wirklich so im Stich gelassen?

Zu einem Mord gehört auch ein passendes Motiv - und als Sören und Lisa zu graben beginnen, stolpern sie schon recht früh über einen Fakt, der sie schon längst hätte stutzig machen müssen: dass der Lebenswandel ihres Kollegen mit seinem Gehalt als Kommissar nicht finanzierbar ist. Auch andere Ungereimtheiten tauchen auf - er war immer wieder zu Sondereinsätzen an eine andere Abteilung ausgeliehen worden, zu Observierungen und Razzien, die dann meist erfolglos verlaufen waren. Ein furchtbarer Verdacht keimt in ihnen: hatte Gerd ein doppeltes Spiel gespielt, sich kaufen lassen?

Der seltsame Anruf einer jungen Russin stürzt sie dann erst recht in Verwirrung: denn nicht nur will sie seit einigen Jahren ein Verhältnis mit Gerd gehabt haben - sie berichtet von organisiertem Menschen- und Organhandel im großen Stil…

Gerade in der ersten Hälfte dieses Krimis war ich wirklich begeistert: ein Autor, der gut beschreiben kann, der sowohl Action liefert als auch plausible Figuren zeichnet und mich als Leserin rasch im Lesesog gefangen hatte. Es ist ja auch ein gutes Thema, das er sich da ausgesucht hat: Organtransplantationen und der Handel mit dem entsprechenden "Rohmaterial". Genau das wurde mir dann zwar irgendwann auch zu viel, weil es gar so dramatisch geschildert wurde, aber es waren einige ausgesprochen gute Wendungen im Roman enthalten, wie zum Beispiel den Druck, der auf einen an sich gar nicht willigen Druck ausgeübt wird, damit dieser Teil des Systems wird.

Gegen Ende wurde es mir an mancher Stelle ein wenig zu lang und auch ein bisschen zu konstruiert. Wobei mir die Wendung, die die Geschichte auf den letzten 2 Seiten nochmals nimmt in ihrem Zynismus wieder sehr gut gefallen hat!

Noch kurz ein Wort zum Stil: obwohl fast der ganze Krimi nur aus Dialogen besteht, was ich persönlich an sich nicht unbedingt schätze, las sich das doch sehr flüssig und richtig gut. Und ein paar weniger Klischees in der Personenzeichnung würden auch nicht schaden…

Andreas Franz

Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg geboren. Er hat als Übersetzer für Englisch und Französisch gearbeitet und war jahrelang als Schlagzeuger tätig. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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