Horst Evers - Mein Leben als Suchmaschine

Originaltitel: Mein Leben als Suchmaschine
Erzählung(en). Eichborn Verlag 2008
160 Seiten, ISBN: 3821860375

Horst Evers hat DIE Lösung für alle, die stets aufs Neue zu Hause nach Schlüsseln, Mützen und Ähnlichem suchen: YouTube! So beschreibt er es zumindest in der Titelgeschichte: beim Nachhausekommen filmen, wo man die Sachen hinlegt, und diesen Film sofort online stellen. Statt dann also die Wohnung wieder einmal vergeblich zu durchsuchen, einfach nach den entsprechenden Begriffen googeln, den Film angucken - und schon ist alles am rechten Ort..

Horst Evers also mal wieder. Er hat einen weiten Weg zurückgelegt, seit ich ihn zuerst gesehen habe - auf Berlins Kleinkunstbühnen, mit einem kleinen schmalen Band mit Erzählungen, die in einem völlig unbekannten Verlag (Selbstverlag?) erschienen sind. Der neue Band erscheint als Hardcover bei Eichborn, es gibt auch eine Hörbuchversion, und Horst Evers ist längst kein Unbekannter mehr.

Aber die Texte, die in diesem Band enthalten sind, die sind sich gleich geblieben. Manchmal sogar zu gleich - bei vielen, die das Chaos in seiner Wohnung oder überhaupt das Leben eines arbeitsscheuen Chaoten beschreiben hatte ich den Eindruck, sie schon einmal zu oft gelesen zu haben, Altbekanntes nur neu aufgewärmt vorgesetzt zu bekommen. Das ist zwar immer noch nett zu lesen und entlockt vielleicht den einen oder anderen Schmunzler - aber deutlich besser haben mir die Texte gefallen, die auf die veränderte Lebenssituation des Autors eingehen, der mittlerweile eben auch Vater einer kleinen Tochter ist.

Trotzdem: Was die Erzählungen von Horst Evers für mich von anderen Comedians abhebt, die ähnliche Bände veröffentlichen: sein Humor ist nie bösartig, seine Gags entstehen nicht dadurch, dass er sich über andere Menschen lustig macht, indem er sie lächerlich macht. Stattdessen lacht er über sich selbst.

Horst Evers

Horst Evers wurde 1967 in Evershorst geboren und kam 1987 nach Berlin. Dort studierte er Germanistik und Publizistik. Die ersten 10 Jahre lebte er im Wedding, seither mit Frau und Kind in der besseren Ecke Kreuzbergs. Seit 1990 steht er regelmäßig auf Berlins Kleinkunstbühnen und trägt dort seine Texte vor, zur Zeit zB jeden Sonntag um 13:00 Uhr in Dr. Seltsams Frühschoppen. Mittlerweile hat der Erfolg Einzug gehalten: So wurden ihm beispielsweise 2000 der Kabarettpreis "Paulaner Solo" und 2001 die Kleinkunstpreise "Prix Pantheon" und der "Salzburger Stier" verliehen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©16.04.2008 Daniela Brezing - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing