Herman Melville - Billy Budd

Originaltitel: Billy Budd
Erzählung(en). Diogenes 2006
91 Seiten, ISBN: 3257207875

Ende des 18. Jahrhunderts wird ein junger Matrose namens Billy Budd von seinem eigentlichen Schiff, der "Rights-of-Men" weg, auf ein Kriegsschiff zwangsverpflichtet. Billy Budd wird als ausgesprochen friedlich, gutaussehend, ein wenig naiv, und vor allem auch sehr beliebt geschildert. Allerdings ist er nicht bei der ganzen Besatzung beliebt; einen gibt es, John Claggert, dem er ein Dorn im Auge ist. Wodurch er diese Aversion erregt hat, bleibt dem Leser unbekannt, so wie auch Billy Budd selbst es nie erfährt.

John Claggert also versucht nun, ihn zu überlisten, ihm die Anstiftung zur Meuterei in die Schuhe zu schieben, und beschuldigt ihn entsprechend vor dem Kapitän Vere. Aufgebracht, durch sein Stottern am Reden gehindert, schlägt Billy zu - und trifft Claggert so unglücklich, dass dieser stirbt.

Soweit die Vorgeschichte. Denn nun kommen wir zu dem Teil des Buches, den ich als die eigentliche moralische Frage empfand. Kapitän Vere ruft seine Offiziere zusammen, schildert ihnen den Sachverhalt, und will mit ihnen gemeinsam beschließen, was mit Billy Budd zu unternehmen ist. Dem moralischen Empfinden des Kapitäns und auch seiner Mannschaft nach, ist Billy Budd eigentlich unschuldig. Doch vor dem Hintergrund der drohenden Meutereien, der Disziplin innerhalb der Mannschaft - kann man so einen Totschlag da einfach übergehen?

Es ist diese Grundfrage nach Recht und Gerechtigkeit, mit der Melville hier operiert - auf eine ausgesprochen interessante Weise. Eine Empfehlung!

Herman Melville

Herman Melville (1819 bis 1891) stammte aus einer verarmten New Yorker Familie. Er ging früh zur See und verdingte sich als Matrose, unter anderem auch auf Walfängern. Seine Reisen führten ihn bis in die Südsee. 1844 kehrte er in die USA zurück, lebte als freier Schriftsteller und war von 1866 bis 1885 als Zollinspektor in New York tätig. Der Romancier und Autor von Kurzgeschichten und Lyrik gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller. Sein Meisterwerk "Moby Dick" zählt zu den Klassikern der Weltliteratur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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